Essen verbindet – Connecting Foodways in Nordost-Afrika

Ein Beitrag von Hannah Rathschlag, entstanden im Rahmen des Fernpraktikums zur Öffentlichkeitsarbeit des DAI im Mai/Juni 2020

Hamadab. Brot aus Sorghum, einer afrikanischen Hirseart, wird traditionell auf einer flachen Backplatte (sudan. doka) zubereitet. (Foto: U. Nowotnick)

Wie aßen eigentlich die Menschen vor 3000 Jahren in Nordost-Afrika?
Genau diese Frage stellt sich das neue Projekt „Connecting Foodways“, welches Teil des DFG-Schwerpunktprogramms „Entangled Africa“ ist.
Anhand von kulturellen Verflechtungen und Transfer von kulinarischen Gewohnheiten sollen innerafrikanische Beziehungen erforscht werden. Foodways beschreiben Essensgewohnheiten und Kochtraditionen, die durch festgelegte soziale und kulturelle Konventionen geprägt sind. Archäologisch erforschte Überreste von Nahrungsmitteln und deren Zubereitung ermöglichen uns einen Einblick in die Grundbedürfnisse und Aktivitäten vergangener Gesellschaften.

Der königliche Pyramidenfriedhof von Meroe, ca. 270 v. Chr. – 340 n. Chr. (Foto: P. Wolf)

Seit zwei Jahrzehnten führt das DAI Siedlungsgrabungen im sogenannten Reich von Kusch (800-400 v. Chr.) im heutigen Sudan durch und untersucht u.a. die Vernetzungen und Kontakte zum mächtigen Nachbarn Ägypten und in den Mittelmeerraum. Ein Beispiel von Foodways sind die Unterschiede in der traditionellen Herstellung von Getreidebrei. Im Nahen Osten wurden sowohl früher als auch heute Wintergetreidesorten wie Emmer und Gerste für Brot genutzt, in der afrikanischen Sahelzone überwogen (bzw. überwiegen auch heute noch) Sommerhirse für Brei, Getreidebier und Fladenbrot.

Besondere Hinweise für die Grundbedürfnisse der Menschen bieten auch Funde wie Kochtöpfe und Gebrauchsgeschirr von Siedlungen um den berühmten Pyramidenfriedhof von Meroe im heutigen Sudan oder ausgegrabene Küchen mit Herdstellen, Reibsteinen und Kochtöpfen in der Stadtsiedlung Hamadab. Form- und Materialeigenschaft, Gebrauchsspuren der Küchengefäße und organische Speisereste, die die Jahrhunderte überdauert haben, liefern mit Hilfe von naturwissenschaftlichen Analysemethoden Erkenntnisse zu Lebensmitteln und Zubereitung.
Die Funde werden auf vielfältige Weise untersucht: Zunächst erfolgt die Kontextanalyse, also die Untersuchung von Küchen und Kochinstallationen, aber auch die Klassifikation des Kochgeschirrs, um Rückschlüsse auf Kochutensilien und Zubereitungsmethoden zu ziehen. Materialtests der Keramik können zeigen, wie die Gefäße verwendet wurden. Die mikro- und makroskopische Analyse von Speiseresten liefert Rückschlüsse auf Inhaltsstoffe und Nutzungen von Gefäßtypen. Zuletzt vergleicht die Ethnoarchäologie Ernährungspraktiken der Vergangenheit mit heutigen Konventionen.
Entscheidend für die antike Koch- und Esstraditionen sind demnach zusammenfassend drei Schritte: Das Definieren kulinarischer Traditionen, das kulturübergreifende Vergleichen und der Kontext alltäglicher, saisonaler und generationsbezogener Kulturkontakte.

Wir können gespannt sein, welche interessanten Ergebnisse uns in den kommenden Jahren diesbezüglich erwarten werden.

Weitere Details im aktuellen Forschungsbericht: https://publications.dainst.org/journals/index.php/efb/article/view/2324