{"id":1006,"date":"2022-03-01T14:35:47","date_gmt":"2022-03-01T13:35:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/?p=1006"},"modified":"2022-03-01T15:59:43","modified_gmt":"2022-03-01T14:59:43","slug":"out-of-homeoffice-expedition-zu-funden-aus-dem-iran-im-british-museum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/out-of-homeoffice-expedition-zu-funden-aus-dem-iran-im-british-museum\/","title":{"rendered":"Out of Homeoffice &#8211; Expedition zu Funden aus dem Iran im British Museum"},"content":{"rendered":"\n<p>Autorin: Gunvor Lindstr\u00f6m<\/p>\n\n\n\n<p>Endlich wieder arch\u00e4ologische Funde in die Hand bekommen! Und endlich wieder reisen! Ende September 2021 wurde mir eine \u201eAudienz\u201c im British Museum gew\u00e4hrt.  Im Studiensaal des Department of the Middle East konnte ich dann drei Tage lang Funde aus einem 1936 erforschten Fundort im Iran in Augenschein nehmen, f\u00fcr die sich vor mir nur wenige Arch\u00e4ologen interessiert hatten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1013\" width=\"503\" height=\"678\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild1.jpg 689w, https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild1-223x300.jpg 223w\" sizes=\"(max-width: 503px) 100vw, 503px\" \/><figcaption>Copyright: Gunvor Lindstr\u00f6m, DAI<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Kleine- und gro\u00dfe Funde aus Kal-e Chendar<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die 35 von mir untersuchten Funde sind Teil eines gr\u00f6\u00dferen Fundkomplexes, dessen \u00fcberwiegender Teil sich im Iranischen Nationalmuseum befindet. Der kleinere, britische Teil der Funde war im Januar 1936 von dem ber\u00fchmten Forschungsreisenden und Arch\u00e4ologen Sir Aurel Stein auf seiner vierten und letzten Expedition in den Iran entdeckt worden. Der Bezirksgouverneur von Izeh in Khuzistan hatte ihm kurz zuvor mehrere Statuen und Bruchst\u00fccke gezeigt, welche er in Kal-e Chendar im Shami-Tal, etwa 50&nbsp;km nordwestlich von Izeh in den Bergen beschlagnahmt hatte. Zu diesen Skulpturen z\u00e4hlt auch der sogenannte \u201ePartherf\u00fcrst\u201c oder \u201ePrinz von Shami\u201c (Abb. 2), eine fast zwei Meter hohe und beinahe komplett erhaltene Bronzestatue, die heute eine der Attraktionen des Iranischen Nationalmuseums in Teheran bildet.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1014\" width=\"595\" height=\"494\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild2.jpg 988w, https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild2-300x250.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild2-768x639.jpg 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild2-750x624.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 595px) 100vw, 595px\" \/><figcaption>Copyright: Gunvor Lindstr\u00f6m, DAI<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der \u201ePartherf\u00fcrst\u201c in einer Aufnahme von 1936 (nach der Beschlagnahmung in Izeh) und von 2016 (bei projektvorbereitenden Untersuchungen in Teheran). Die Figur stellt wahrscheinlich einen elym\u00e4ischen Herrscher der Mitte des 1. Jhs v. Chr. dar. Das antike Land Elymais entspricht in etwa der heutigen iranischen Provinz Khuzistan.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beschlagnahmten Statuen wurden bald darauf aus Izeh nach Teheran gebracht. Doch Aurel Stein, der die Bedeutung der Skulpturen erkannt hatte, unternahm im Januar 1936 eine kurze, sechst\u00e4gige Ausgrabung am Fundort der Statuen in Kal-e Chendar. Dabei legte er er ein kleines Heiligtum frei, das er aufgrund der Funde in die sp\u00e4te hellenistische und parthische Zeit (2. Jh. v. Chr. \u2013 2. Jh. n. Chr.) datieren konnte. Er entdeckte einen zentralen Altar und mehrere Basen f\u00fcr Statuen und Statuetten sowie zahlreiche Kleinfunde, die er aufgrund einer Vereinbarung mit der Iranischen Antikenbeh\u00f6rde nach England verschiffen konnte, um sie im British Museum in London zu untersuchen. Nach einer 1937 vorgenommenen Fundteilung wurden einige Bruchst\u00fccke von Statuen zur\u00fcck in den Iran gesendet, wo sie zusammen mit den anderen nach Teheran verbrachten Skulpturen zum Bestand des Iranischen Nationalmuseums geh\u00f6ren. Die dem British Museum zugesprochenen Funde verblieben jedoch in London.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verteilung der Funde auf zwei Museen und Kontinente stellt eigentlich f\u00fcr meine im Februar 2021 begonnenen Forschungen zu den Skulpturen aus Kal-e Chendar eine Schwierigkeit dar. Denn diese haben zum Ziel, die Statuen und ihre Fragmente erstmals im Zusammenhang zu betrachten. In der besonderen Situation des Jahres 2021, die eine Reise in den von der Pandemie besonders betroffenen Iran unm\u00f6glich machte, hatte die Aufteilung der Funde jedoch etwas Gutes. Denn dadurch konnte ich zumindest die in London verwahrten Funde wie vorgesehen untersuchen. Ende September, nach der Erstellung eines umfangreichen Hygienekonzeptes f\u00fcr die Reise und den Aufenthalt, ging es also los nach London. Dort hatten mir die zust\u00e4ndigen Kuratoren bereits die Funde im altehrw\u00fcrdigen Studiensaal in drei gro\u00dfen Schubladen auf den Tisch gestellt. Sie enthielten 35 von Aurel Stein gemachte Funde. Diese sind zwar im online-Katalog des British Museum verzeichnet, doch da sie dort ohne Fotos und mit knappen, wenig aussagekr\u00e4ftigen Beschreibungen aufgef\u00fchrt sind, war es unbedingt notwendig, sie in Augenschein zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sich herausstellte, befanden sich unter den Kleinfunden nur 14 Bruchst\u00fccke von Bronzestatuen. Die meisten sind so klein, dass sich nicht sagen l\u00e4sst, zu was f\u00fcr Statuen sie urspr\u00fcnglich geh\u00f6rten. Ausnahmen bilden aber beispielsweise der gro\u00dfe Zeh eines rechten Fu\u00dfes, der auf einer lebensgro\u00dfe Statue eines Gottes oder Herrscher im griechischen Stil hindeutet. Aufschlussreich ist au\u00dferdem ein 21 cm langes Fragment eines Oberschenkels. Dieses l\u00e4sst auf eine unbekleidete, sitzende Figur schlie\u00dfen, die h\u00f6chstwahrscheinlich eine mythologische Gestalt darstellte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-3 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img decoding=\"async\" width=\"799\" height=\"524\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild3-1.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1019\" data-full-url=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild3-1.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/?attachment_id=1019\" class=\"wp-image-1019\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild3-1.jpg 799w, https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild3-1-300x197.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild3-1-768x504.jpg 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild3-1-750x492.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 799px) 100vw, 799px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"631\" height=\"620\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild4-1.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1020\" data-full-url=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild4-1.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/?attachment_id=1020\" class=\"wp-image-1020\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild4-1.jpg 631w, https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild4-1-300x295.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 631px) 100vw, 631px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"805\" height=\"621\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild5-1.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1021\" data-full-url=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild5-1.jpg\" data-link=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/?attachment_id=1021\" class=\"wp-image-1021\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild5-1.jpg 805w, https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild5-1-300x231.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild5-1-768x592.jpg 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/archaeology-in-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/19\/2022\/02\/bild5-1-750x579.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 805px) 100vw, 805px\" \/><figcaption class=\"blocks-gallery-item__caption\"> <\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\">Copyright: Gunvor Lindstr\u00f6m, DAI<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eShami. Small finds from ruined shrine\u201c. Am 30.1.1936 von Aurel Stein in Kal-e Chendar gefundene Bruchst\u00fccke von Bronzestatuen, British Museum, Department oft he Middle East, Registration Number 1947,0501.625. Trotz der teils starken Korrosion ist zu erkennen, dass die Fragmente der hohl gegossenen Statuen auf der Au\u00dfenseite poliert und auf der Innenseite nicht \u00fcberarbeitet waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studienreise nach London hat mich also nicht nur f\u00fcr einige Tage aus dem Homeoffice befreit, sondern&nbsp;auch Hinweise auf zwei \u00fcberlebensgro\u00dfe Statuen gegeben \u2013 Statuen, die ehemals neben dem \u201ePartherf\u00fcrsten\u201c und mindestens 12 anderen durch die Bruchst\u00fccke im Iranischen Nationalmuseum \u00fcberlieferten Skulpturen im Heiligtum in Kal-e Chendar aufgestellt waren. Bei einer n\u00e4chsten Studienreise nach London ist geplant, diese Objekte photogrammetrisch aufzunehmen, so dass digitale 3D-Modelle erstellt werden k\u00f6nnen. Au\u00dferdem sollen naturwissenschaftliche Untersuchungen Aufschluss \u00fcber die Zusammensetzung der Bronzen bzw. ihre Legierung bilden. Mit diesen Daten im Gep\u00e4ck geht es dann in den Iran, um zu sehen, ob einige der Londoner Bronzefragmente an die Teheraner Skulpturen anpassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt haben die im Februar 2021 begonnenen Forschungen zum Ziel, die Skulpturen aus Kal-e Chendar arch\u00e4ologisch, kunsthistorisch und technikgeschichtlich einzuordnen. Daf\u00fcr sollen unter anderem die gr\u00f6\u00dftenteils in Fragmenten \u00fcberlieferten Statuen zeichnerisch oder im digitalen 3D-Modell rekonstruiert werden. Die hier vorgestellten \u00dcberlegungen zum gro\u00dfen Zeh und Oberschenkelfragment zeigen exemplarisch, wie selbst kleine Fragmente bei genauer Betrachtung Hinweise auf das Aussehen und die Bedeutung der Statuen geben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autorin: Gunvor Lindstr\u00f6m Endlich wieder arch\u00e4ologische Funde in die Hand bekommen! Und endlich wieder reisen! Ende September 2021 wurde mir eine \u201eAudienz\u201c im British Museum gew\u00e4hrt. 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