{"id":1100,"date":"2020-05-18T18:59:53","date_gmt":"2020-05-18T16:59:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/?p=1100"},"modified":"2020-06-29T17:20:49","modified_gmt":"2020-06-29T15:20:49","slug":"bauen-und-wohnen-der-salar-in-nordwest-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/bauen-und-wohnen-der-salar-in-nordwest-china\/","title":{"rendered":"Bauen und Wohnen der Salar in Nordwest-China"},"content":{"rendered":"<p>Die muslimischen Salar verlie\u00dfen im 13. Jahrhundert im Gefolge Dschingis Khans ihre Heimat um Samarkand, Usbekistan, und siedelten sich am Oberlauf des Gelben Flusses in Nordtibet und sp\u00e4ter am Fluss Ili in Xinjiang, China, an (Abb. 2).<\/p>\n<div id=\"attachment_1112\" style=\"width: 349px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1112\" class=\" wp-image-1112\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb_02-Konvertiert-800x395.png\" alt=\"\" width=\"339\" height=\"167\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb_02-Konvertiert-800x395.png 800w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb_02-Konvertiert-768x379.png 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb_02-Konvertiert-1536x758.png 1536w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb_02-Konvertiert.png 1702w\" sizes=\"(max-width: 339px) 100vw, 339px\" \/><p id=\"caption-attachment-1112\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Lage des Dorfes Dazhuang am Oberlauf des Gelben Flusses, des Dorfes Salar am Ili und der Stadt Samarkand. (Karte: K. Gorban\u2018)<\/p><\/div>\n<p>Sie brachten mit ihrer Lebensweise auch die Holzbauweise in Gebiete mit Lehm- und Steinarchitektur, gaben sie jedoch im Laufe der Jahrhunderte zugunsten regionaler und moderner Bauweisen auf. Den Prozess der Akkulturation haben Arch\u00e4ologen, Bauforscher, Ethnologen und Dendrochronologen untersucht. Erstmals wurden dabei die Spezifika salarischer Architektur detailliert dokumentiert und die Bau- und Nutzungsgeschichte von f\u00fcnf Wohnh\u00f6fen \u00fcber den gesamten Zeitraum ihres Bestehens rekonstruiert.<\/p>\n<p>Das Projekt diente der virtuellen Bewahrung von architektonischem Kulturerbe und traditionellem Wissen in China in einer Zeit der umfassenden Modernisierung des Lebens auf dem Lande.<\/p>\n<p><strong>Wie reagieren Familien auf Wandel? <\/strong><\/p>\n<p>Die Salar geh\u00f6ren mit weniger als hunderttausend Personen zu den kleinsten der 56 anerkannten Minderheiten in der VR China. Ihre D\u00f6rfer liegen in gesch\u00fctzten Flusst\u00e4lern mit einem Mikroklima, das den Anbau von Getreide, Gem\u00fcse und vor allem Obst beg\u00fcnstigt und dem Klima ihres Herkunftsgebietes \u00e4hnelt (Startfoto). Mit ihren Familienverb\u00e4nden bewohnen sie geschlossene Anlagen, in denen mehrere, teilweise zweist\u00f6ckige Geb\u00e4ude um einen begr\u00fcnten Hof gruppiert sind, die nicht alle gleichzeitig und nicht alle aus demselben Material gebaut wurden. Besonderes Interesse erregen die reich beschnitzten Holzh\u00e4user. Sie wirken in der fast vegetationslosen Berglandschaft merkw\u00fcrdig fremd (Abb. 3, a). Erst recht, wenn direkt neben ihnen eingeschossige Bauten mit wei\u00df gekachelten Fronten auf einer Zementplatte stehen (Abb. 3, b).<\/p>\n<div id=\"attachment_1121\" style=\"width: 3318px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1121\" class=\"wp-image-1121 size-full\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb_03-tafel.png\" alt=\"\" width=\"3308\" height=\"2336\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb_03-tafel.png 3308w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb_03-tafel-800x565.png 800w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb_03-tafel-768x542.png 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb_03-tafel-1536x1085.png 1536w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb_03-tafel-2048x1446.png 2048w\" sizes=\"(max-width: 3308px) 100vw, 3308px\" \/><p id=\"caption-attachment-1121\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: <strong>(a)<\/strong> Geh\u00f6ft II. Das Haupthaus eines Hofes liegt an seiner Nordseite, ist das \u00e4lteste Geb\u00e4ude im Gesamtensemble und wurde 1865 aus Holz gebaut. Im Obergeschoss \u00f6ffnet sich eine Galerie zum Hof. Der Hauptraum, also der Wohnraum des Familienoberhauptes, liegt im Erdgeschoss. Den Hof beschattet Weinlaub. (Foto: H. Lehman)<br \/><strong>(b)<\/strong> Geh\u00f6ft III. Das Nordhaus mit den Resten alter Holzarchitektur von 1819 im Obergeschoss und dem renovierten Erdgeschoss. Das eingeschossige Osthaus mit gemauertem Blumenbeet davor wurden 1987 f\u00fcr die Schwiegermutter des Hausherrn gebaut. (Foto: H. Lehmann)<br \/><strong>(c)<\/strong> Geh\u00f6ft I. Ostteil, Obergeschoss Raum I-2-05, Schriftst\u00fcck aus der Zeit vor 1911, das wir zur \u00dcberraschung des Hausherrn unter vielen Schichten Zeitungspapier noch an der Wand klebend gefunden haben. Darin wird von der Vollendung eines Anbaus in der \u201eBlumen-Moschee\u201c im Nachbarkreis berichtet, den ein Vorfahr gestiftet hatte. (Foto: M. Flitsch)<br \/><strong>(d)<\/strong> Geh\u00f6ft II. Kochkessel im Hof zur Bewirtung der Trauerg\u00e4ste. Nach salarischer Tradition werden bei den Feierlichkeiten vierzig Tage lang nach dem Tod eines Angeh\u00f6rigen alle Dorfbewohner ins Geh\u00f6ft zum Essen eingeladen. F\u00fcr die Zubereitung der Speisen borgt sich die Familie einen Kessel von der Moschee und baut daf\u00fcr eine Brennkammer aus Lehm auf dem Hof. (Foto: H. Lehmann)<br \/><strong>(e)<\/strong> Geh\u00f6ft II. Nordhaus, Obergeschoss, Galerie, Detail der Blenden und Konsolen. (Foto: H. Lehmann)<\/p><\/div>\n<p>Unsere Arbeitsgruppe durfte f\u00fcnf H\u00f6fe vermessen und beproben und die Familien zu den Zeiten und Anl\u00e4ssen von Neubau und Umbau sowie zur Nutzung der verschiedenen R\u00e4ume befragen (Abb. 4). Entstanden sind synthetische Geh\u00f6ftbiographien, die einen Ausschnitt salarischer und damit auch zentralasiatischer Kulturgeschichte konservieren. Sie sind ein Teil der Ergebnisse unseres langfristigen Forschungsprogramms zur Besiedlungsgeschichte Nordwestchinas\/Ostzentralasiens der letzten achttausend Jahre.<\/p>\n<div id=\"attachment_1125\" style=\"width: 2492px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1125\" class=\"size-full wp-image-1125\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb-5-tafel.png\" alt=\"\" width=\"2482\" height=\"2842\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb-5-tafel.png 2482w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb-5-tafel-524x600.png 524w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb-5-tafel-768x879.png 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb-5-tafel-1341x1536.png 1341w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/Abb-5-tafel-1789x2048.png 1789w\" sizes=\"(max-width: 2482px) 100vw, 2482px\" \/><p id=\"caption-attachment-1125\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 4: <strong>(oben)<\/strong> Bauaufnahmeplan des Ostteils eines alten Hauses aus dem Jahr 1816. Schnitt, Ma\u00dfstab 1:100. Im Untergeschoss liegen St\u00e4lle, Wirtschafts- und einfache Wohnr\u00e4ume. An einer St\u00fctze waren Zapfenl\u00f6cher f\u00fcr einen Vertikalwebstuhl erhalten. Wohnr\u00e4ume erkennt man an beheizbaren Schlafstellen (chin.: Kang), eine \u00dcbernahme aus der traditionellen chinesischen Wohnarchitektur. Typisch salarisch sind dagegen die gro\u00dfe K\u00fcche (I-2-02) und eine Galerie mit geschnitzten Ranken unter der Gel\u00e4nderbr\u00fcstung und auf den Geb\u00e4lkblenden, von der aus die R\u00e4ume im Obergeschoss zu betreten sind. (Plan: H. Lehmann\/M. Longo\/C. Winterstein)<br \/><strong>(unten links)<\/strong> Geh\u00f6ft I. Alter der untersuchten Holzproben. J\u00fcngstes F\u00e4lldatum 1816. (Grafik: U. Heu\u00dfner)<br \/><strong>(unten rechts)<\/strong> Geh\u00f6ft I. Verwandtschaftsdiagramm der Familie des Hausherrn und Interviewpartners, das f\u00fcnf Generationen von Geh\u00f6ftbewohnern mit ihm in Generation III als Nr. 10 beinhaltet. (Grafik: M. Flitsch\/A. Reuter)<\/p><\/div>\n<p>Die Studie hat gezeigt, dass die Wohnarchitektur einer Salar-Familie historische Konstanten und gesellschaftlichen wie famili\u00e4ren Wandel widerspiegelt. Am Haupthaus bleiben die alten zentralasiatischen Traditionen am l\u00e4ngsten erhalten, aber die Vorhallenh\u00e4user werden umgeformt zu regionalspezifischen Salar-Bauten. Sie bleiben Ausdruck kultureller Mentalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Projektpartner: Kulturamt der Provinz Qinghai, Arch\u00e4ologisches Institut Qinghai (Ren X.Y., Xiao Y.M., Cai L.H.), Kreisverwaltung Xunhua, Denkmalamt der Autonomen Region der Uiguren Xinjiang, DAI Eurasien-Abteilung Au\u00dfenstelle Peking (M. Wagner, M. Flitsch, A. Dwyer), DAI Referat Bauforschung (U. Wulf-Rheidt, C. Winterstein, H. Lehmann, M. Longo), DAI Naturwissenschaftliches Referat (K.-U. Heu\u00dfner), Freie Universit\u00e4t Berlin, Institut f\u00fcr Geologische Wissenschaften, Pal\u00e4ontologie (P. Tarasov)<\/p>\n<p>Projektlaufzeit: 2004-2006<\/p>\n<p><strong>Den vollst\u00e4ndigen Forschungsbericht finden Sie hier:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/05\/AMIT_39_2007_127_234_MWagner_et_al_SALAR.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">AMIT_39_2007_127_234_MWagner_et_al_SALAR<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<hr>\n<h6>Blogmaster: Pascal Olschewski<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die muslimischen Salar verlie\u00dfen im 13. Jahrhundert im Gefolge Dschingis Khans ihre Heimat um Samarkand, Usbekistan, und siedelten sich am Oberlauf des Gelben Flusses in Nordtibet und sp\u00e4ter am Fluss Ili in Xinjiang, China, an (Abb. 2). 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