{"id":1345,"date":"2020-07-08T17:00:00","date_gmt":"2020-07-08T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/?p=1345"},"modified":"2026-01-22T12:18:31","modified_gmt":"2026-01-22T11:18:31","slug":"der-mann-mit-dem-stelzbein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/der-mann-mit-dem-stelzbein\/","title":{"rendered":"Der Mann mit dem Stelzbein"},"content":{"rendered":"<p>\u201eHast Du sowas schon mal gesehen?\u201c fragte Kollege Li und hielt mir den Fund hin. Ja, hatte ich, am Bein des Piraten Long John Silver im Film \u201eDie Schatzinsel\u201c nach dem Roman von R. L. Stevenson. Aber dieses Stelzbein aus Holz stammte aus einem zweitausend Jahre alten Grab bei Turfan, Westchina, einer der trockensten Gegenden der Welt, deshalb blieb es bis heute erhalten. Die Turfaner Arch\u00e4ologen hatten es 2007 am Fundplatz Shengjindian geborgen und luden uns ein, 2010 gemeinsam die Stelze und ihren Tr\u00e4ger zu untersuchen.<\/p>\n<p><strong>Das war unser Team:<br \/><\/strong>Mayke Wagner, Julia Gresky und Patrick Wertmann (DAI, Berlin), Xiao Li (School of Chinese Classics Renmin University of China, Beijing), Yongbin Zhang (Turfan Academy), Xiaohong Wu (School of Archaeology and Museology, Peking University), Pavel Tarasov (Pal\u00e4ontologie, Institut f\u00fcr Geologische Wissenschaften, Freie Universit\u00e4t, Berlin), Tomasz Goslar (Faculty of Physics, Adam Mickiewicz University, Poznan Radiocarbon Laboratory, Poznan), Arno Schmidt (Otto Bock HealthCare, Duderstadt)<\/p>\n<p><strong>Das sind die Publikationen:<br \/><\/strong>Unsere Entdeckungen haben wir 2012\/2013 in Englisch publiziert, der Journalist Hakan Baykal machte daraus eine Meldung im <em>Tagesspiegel<\/em> vom 23.06.2013 und in <em>Spektrum der Wissenschaft,<\/em> und wir schrieben einen Beitrag in <em>Arch\u00e4ologie in Deutschland<\/em>:<\/p>\n<p>Wagner, M., Gresky, J., Tarasov, P. (2017) Inklusion vor 2300 Jahren. <em>Arch\u00e4ologie in Deutschland<\/em> 2, 2017, 14\u201319.<\/p>\n<p>Hakan Baykal (2013):<br \/><a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/magazin\/der-mann-mit-dem-holzbein\/1187956\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.spektrum.de\/magazin\/der-mann-mit-dem-holzbein\/1187956<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/aelteste-prothese-der-welt-in-china-entdeckt-der-mann-mit-dem-ersten-holzbein\/8384220.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/aelteste-prothese-der-welt-in-china-entdeckt-der-mann-mit-dem-ersten-holzbein\/8384220.html<\/a><\/p>\n<p>Li, X., Wagner, M., Wu, X., Tarasov, P., Zhang, Y., Schmidt, A., Goslar, T., Gresky, J. (2013) Archaeological and palaeopathological study on the third\/second century BC grave from Turfan, China: Individual health history and regional implications. <em>Quaternary International<\/em> 290-291, pp. 335-343. <a href=\"https:\/\/doi:10.1016\/j.quaint.2012.05.010\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/doi:10.1016\/j.quaint.2012.05.010<\/a><\/p>\n<p>Weil keiner dieser Artikel, nur die Nachricht im <em>Tagesspiegel<\/em>, frei online verf\u00fcgbar ist, fassen wir hier das Wichtigste f\u00fcr Sie zusammen.<\/p>\n<p><strong>Das Stelzbein<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1587\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/stelzbein-Abb1.png\" alt=\"\" width=\"656\" height=\"818\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/stelzbein-Abb1.png 656w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/stelzbein-Abb1-481x600.png 481w\" sizes=\"(max-width: 656px) 100vw, 656px\" \/><\/p>\n<h6><em>Mit einer Gesamtl\u00e4nge von 89,2 cm besteht es aus: (1) einer flachen Platte, mit der es am Oberschenkel fixiert werden konnte (Breite 8,8 cm, maximale Dicke 2,5 cm); (2) einer Rundholz-Stelze (Durchmesser 3,6 cm); (3) einem Schafshorn zur Verst\u00e4rkung des Stelzenendes und (4) einem dar\u00fcber gezogenen Huf eines asiatischen Esels, der wie ein Skistockteller das Einsinken in weichen Untergrund verhindert. Das obere Ende der Oberschenkelplatte hat zwei L\u00f6cher mit gerade nach oben ziehenden Abriebkerben, die wahrscheinlich von den Lederriemen verursacht wurden, mit denen sie an einen H\u00fcftg\u00fcrtel gebunden war. (A) Innenseite, die am Oberschenkel anlag, (B) und (C) Au\u00dfenseite. (Zeichnung: Museum Turfan, Foto: J. Gresky)<\/em><\/h6>\n<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1588 alignleft\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/stelzmann-Abb2.png\" alt=\"\" width=\"307\" height=\"330\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/stelzmann-Abb2.png 716w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/stelzmann-Abb2-558x600.png 558w\" sizes=\"(max-width: 307px) 100vw, 307px\" \/><\/p>\n<h6><em>Die Innenseite der Oberschenkelplatte zeigt deutlich die Konturen des Knies, das die Platte abgerieben hat. Die Oberfl\u00e4che der Au\u00dfenseite ist dunkel und rau mit Ausnahme des gl\u00e4nzenden oberen Endes, das wahrscheinlich von Kleidung oder einem G\u00fcrtel bedeckt war. An diesen Spuren kann man erkennen, dass das Stelzbein an der Au\u00dfenseite des linken Beines anlag. Unter dem Knie am \u00dcbergang von der flachen Oberschenkelplatte zur runden Stelze ist eine Bruchstelle mit einem Lederriemen repariert worden. Die anderen L\u00f6cher, drei auf jeder Seite, dienten der Befestigung am Oberschenkel. Die erhalten gebliebenen Riemen und tiefe, nach unten gerichtete Abriebkerben gestatten eine Rekonstruktion der Befestigung in folgender Weise: Ein kurzer Riemen wurde so durch zwei benachbarte L\u00f6cher gef\u00e4delt, dass die Enden an der Innenseite der Platte herauskamen. Ein Ende wurde in zwei H\u00e4lften gespalten und in das andere ein Schlitz geschnitten, so dass sie mit einer Oberschenkelh\u00fclle verkn\u00fcpft werden konnten. Auf diese Art wurde die Platte an drei Punkten auf jeder Seite mit etwas verbunden, das den Oberschenkel umgab und die Belastung durch Druck oder Schn\u00fcrung abminderte. Was das war \u2013 eine Ledermanschette, eine andere Holzplatte oder eine feste, aber stabile Seidenbandage \u2013 wissen wir nicht, da nichts weiter gefunden wurde. (Fotos: M. Wagner)<\/em><\/h6>\n<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1589\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/Stelzbein-Abb3.png\" alt=\"\" width=\"1092\" height=\"490\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/Stelzbein-Abb3.png 1092w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/Stelzbein-Abb3-800x359.png 800w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/Stelzbein-Abb3-768x345.png 768w\" sizes=\"(max-width: 1092px) 100vw, 1092px\" \/><\/p>\n<h6><em>Das Ende des Rundholzes war in ein begradigtes Horn gezw\u00e4ngt worden, das wegen seiner Ringstruktur nur von einem Schaf stammen kann. Seine nach vorn weisende Spitze ist vom dauernden Ziehen \u00fcber harten Boden schr\u00e4g geschliffen. Der Huf \u00fcber dem Horn wurde mit einem Lederriemen in dieser Position gehalten, der durch ein horizontales Loch durch Horn und Stelze gezogen war. Die gesamte Prothese wurde ohne Metall konstruiert. (Fotos: M. Wagner)<\/em><\/h6>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie alt ist es?<br \/><\/strong>F\u00fcr eine zuverl\u00e4ssige Altersbestimmung wurden drei Proben vom Stelzbein und sieben weitere Proben von anderen Objekten aus dem Grab im Radiokarbon-Labor der Peking-Universit\u00e4t von X.H. Wu gemessen. Durch Modellierung des Datenclusters konnte T.\u00a0 Goslar das Alter der Bestattung eingrenzen auf <strong>300 bis 200 Jahre v. Chr.<\/strong> Das Stelzbein aus Turfan stammt also aus derselben Zeit wie das ber\u00fchmte \u201eBein von Capua\u201c, der \u00e4ltesten bekannten Beinprothese. Bestehend aus einem mit Bronzeblech umh\u00fcllten Holzkern wurde es 1885 aus dem Grab vermutlich eines Gladiators geborgen, anhand typologischer Merkmale der mitgegebenen Amphoren auf ca. 300 v. Chr. datiert und vom Museum des Royal College Surgeons in London erworben, wo es w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs verlorenging.<\/p>\n<p><strong>Der Mann und seine Krankengeschichte<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1590\" style=\"width: 562px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1590\" class=\" wp-image-1590\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/stelzmann-abb-4.png\" alt=\"\" width=\"552\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/stelzmann-abb-4.png 1266w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/stelzmann-abb-4-800x543.png 800w, https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/stelzmann-abb-4-768x522.png 768w\" sizes=\"(max-width: 552px) 100vw, 552px\" \/><p id=\"caption-attachment-1590\" class=\"wp-caption-text\">Das Stelzbein geh\u00f6rte einem 50 bis 65 Jahren alten, 170,4 bis 178,2 cm gro\u00dfen und muskelbepackten Mann. Das linke Kniegelenk ist stark deformiert. Alle Knochen (Oberschenkel, Kniescheibe, Schien- und Wadenbein) sind miteinander verwachsen und das Gelenk ist gebeugt in einem Winkel von 135\u00b0 versteift, wobei der Unterschenkel zus\u00e4tzlich noch um 11\u00b0 nach innen verdreht ist. Beide Unterschenkel haben etwa dieselbe maximale L\u00e4nge, der Mann war also zum Zeitpunkt der Erkrankung vollst\u00e4ndig ausgewachsen. Mit R\u00f6ntgenaufnahmen und Computertomographie im Krankenhaus in Turfan haben wir mechanische Verletzungen, einen Sturz oder Schlag, als Ursache dieser pathologischen Ver\u00e4nderungen ausgeschlossen. Rheumatische Arthritis scheidet auch aus, da keines der anderen Gelenke \u00e4hnliche Ver\u00e4nderungen aufweist. (Foto: J. Gresky)<\/p><\/div>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Verkn\u00f6cherte Gelenkversteifungen sind jedoch als Folge von Infektionen mit <em>Mycobacterium tuberculosis<\/em> oder <em>Mycobacterium bovis<\/em>, beides Erreger der Tuberkulose beim Menschen, bekannt. Die Infektion breitet sich im Allgemeinen nach Tr\u00f6pfcheninfektion \u00fcber die Atemwege in den Lungen aus, Erreger k\u00f6nnen aber auch durch die Aufnahme infizierter Milch \u00fcber den Verdauungstrakt in den K\u00f6rper gelangen. In einem ersten Stadium ist vor allem die Lunge betroffen, sp\u00e4ter kann auch ein Befall des Skelettes hinzukommen, am h\u00e4ufigsten der Wirbels\u00e4ule, H\u00fcft- und Kniegelenke. Knochenhautentz\u00fcndungen an der Innenseite von Rippen treten h\u00e4ufig im Rahmen einer Lungentuberkulose auf. Spuren solcher Knochenhautentz\u00fcndungen sind an der zweiten bis elften Rippe des Mannes zu erkennen.<\/p>\n<p>Doch Knochenneubildungen zwischen dem f\u00fcnften und sechsten Halswirbel zeigen, dass der Mann die Skeletttuberkulose \u00fcberlebt hat. \u00a0Die Oberfl\u00e4che der Knochen, die von der Versteifung des Kniegelenks betroffen sind, ist glatt. Der aktive Entz\u00fcndungsprozess war also bereits Jahre vor seinem Tod abgeschlossen. Er ist nicht nur genesen, sondern zu seinem physisch sehr aktiven Leben zur\u00fcckgekehrt, wie ausgepr\u00e4gte Muskelans\u00e4tze an allen Knochen beweisen. Nur konnte er sein linkes Bein nicht mehr strecken, nicht mehr auf beiden Beinen stehen und gehen, und wegen der Innenrotation vermutlich auch nicht reiten.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<div style=\"width: 750px;\" class=\"wp-video\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('video');<\/script><![endif]-->\n<video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-1345-1\" width=\"750\" height=\"1000\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/versuch1.mp4?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/versuch1.mp4\">https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/versuch1.mp4<\/a><\/video><\/div>\n<h6>\u00a0<\/h6>\n<h6><em>Bei unserer grafischen Rekonstruktion einer m\u00f6glichen Tragweise des Stelzbeins in Zusammenarbeit mit\u00a0 Arno Schmidt (Fa. Otto Bock HealthCare Duderstadt) haben wir uns f\u00fcr Hose und Frisur an zeitgleichen und besser erhaltenen Funden aus der Region Turfan orientiert. (Grafik: S. Lochmann)<\/em><\/h6>\n<hr \/>\n<p><strong>Beitrag zur Geschichte der Tuberkulose<br \/><\/strong>Insbesondere fr\u00fche Belege von Tuberkulose in Asien sind noch rar. Japanische Wissenschaftler hatten bereits 2003 <em>M. tuberculosis<\/em> DNA in Skeletten von Erwachsenen und Kindern aus einem reichen Friedhof nahe Turfan nachgewiesen, der zur selben Periode (202 v. Chr. \u2013 200 n. Chr.) wie der Fundplatz Shengjindian geh\u00f6rt. Eine andere japanische Forschergruppe berichtete 2008 einen Fall von Wirbels\u00e4ulentuberkulose aus Korea aus dem ersten Jahrhundert v. Chr. und brachte sie mit Bev\u00f6lkerungsbewegungen aus China nach Korea und Japan in Verbindung. In S\u00fcdsibirien wurde 2007 <em>M. bovis<\/em> DNA in menschlichen Skelettresten aus der Zeit 360-170 v. Chr. nachgewiesen. Zusammen mit diesen Publikationen zeigen unsere Belege eine weite Verbreitung dieser Krankheit im \u00f6stlichen Zentralasien und in Ostasien w\u00e4hrend der zweiten H\u00e4lfte des ersten Jahrtausends v. Chr. Diese Periode ist aus arch\u00e4ologischen Funden und Text\u00fcberlieferung bekannt als Zeit hoher Siedlungsmobilit\u00e4t und der Ausbreitung von komplexer Weidewirtschaft und berittener Kriegsf\u00fchrung in Eurasien zwischen dem Schwarzen Meer und der koreanischen Halbinsel. Anscheinend ist damit auch die Tuberkulose verbreitet worden.<\/p>\n<p><strong>Ein Fund \u2013 viele Entdeckungen<br \/><\/strong>Ausl\u00f6ser f\u00fcr unser gemeinsames Forschungsprojekt war ein kurioser Fund, entdeckt haben wir weit mehr: die Konstruktion einer der \u00e4ltesten funktionalen Beinprothesen der Welt und ein Puzzle-St\u00fcck der globalen Geschichte einer Infektionskrankheit, der noch immer jedes Jahr etwa eine Million Menschen zum Opfer fallen und an der auch R. L. Stevenson 1894 starb. Der Unterschenkel des Mannes war zwar nicht amputiert, aber\u00a0 funktionsunf\u00e4hig. Das Stelzbein ersetzte den versehrten Schenkel und verdient deshalb die Bezeichnung \u201eProthese\u201c. Gleichzeitig ist es eine Orthese, eine stabilisierende Schiene. Sein schlichtes Grab und wenige Beigaben deuten darauf hin, dass der Mann keine herausragende sozial Stellung hatte. \u00a0Weder elegant noch aus wertvollem Material gefertigt, ist seine Prothese dennoch einzigartig im Hinblick auf ihr technisches Design, ihre Robustheit und Funktionalit\u00e4t. Erfindergeist und handwerkliches Geschick verhalfen einem Gehbehinderten zu freih\u00e4ndigem, aufrechtem Gang. Ob er sie selbst gebaut hat, k\u00f6nnen wir nicht wissen. Dass er dazu kr\u00e4ftig genug war, verraten die kn\u00f6chernen Spuren seiner ungeheuren Muskulatur. Zweitausend Jahre sp\u00e4ter, nach dem amerikanischen B\u00fcrgerkrieg (1861-1865) und dem Ersten Weltkrieg in Europa (1914-1919), sahen die Prothesen mit Oberschenkelstabilisator, Lederriemen und Stelze an verwundeten Soldaten und Piraten noch ganz \u00e4hnlich aus.<\/p>\n<p><strong>Autoren: Mayke Wagner, Julia Gresky, Pavel Tarasov<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 750px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-1345-2\" width=\"750\" height=\"1000\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/versuch1-1.mp4?_=2\" \/><a href=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/versuch1-1.mp4\">https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/07\/versuch1-1.mp4<\/a><\/video><\/div>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\" \/>\n\n\n<h6>Blogmaster: Pascal Olschewski<\/h6>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHast Du sowas schon mal gesehen?\u201c fragte Kollege Li und hielt mir den Fund hin. Ja, hatte ich, am Bein des Piraten Long John Silver im Film \u201eDie Schatzinsel\u201c nach dem Roman von R. L. Stevenson. Aber dieses Stelzbein aus Holz stammte aus einem zweitausend Jahre alten Grab bei Turfan, Westchina, einer der trockensten Gegenden der Welt, deshalb blieb es <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/der-mann-mit-dem-stelzbein\/\">&#8230;weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":1606,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[38],"class_list":["post-1345","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-dai_in_china"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1345"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1345"}],"version-history":[{"count":41,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1345\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3166,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1345\/revisions\/3166"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1345"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1345"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/bridging-eurasia\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1345"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}