{"id":492,"date":"2019-11-08T11:16:43","date_gmt":"2019-11-08T10:16:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/?p=492"},"modified":"2020-01-07T16:25:22","modified_gmt":"2020-01-07T15:25:22","slug":"mensch-ding-welt-ein-langer-weg-zum-anthropozaen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/2019\/11\/08\/mensch-ding-welt-ein-langer-weg-zum-anthropozaen\/","title":{"rendered":"Mensch \u2013 Ding \u2013 Welt: Ein langer Weg zum Anthropoz\u00e4n"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Arch\u00e4ologie, Ethnologie und Geologie im\nDialog zu Natur-Kultur- und Mensch-Umwelt-Verstrickungen. Ist die Jungsteinzeit\nder Beginn eines langen Prozesses und wer macht eigentlich wie (Erdzeitalter-)Epoche?&nbsp; Diese und andere Fragen besch\u00e4ftigen die RGK\nderzeit nicht nur im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf dem Weltempfang der\nFrankfurter Buchmesse.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 17. Oktober 2019 organisierte die\nR\u00f6misch-Germanische Kommission des Deutschen Arch\u00e4ologischen Instituts im\nRahmen des Weltempfangs des Ausw\u00e4rtigen Amtes bei der Frankfurter Buchmesse\neine Podiumsdiskussion mit dem Thema: \u201eMensch \u2011 Ding \u2011 Welt: Ein langer Weg zum\nAnthropoz\u00e4n\u201c. Moderiert von Joachim M\u00fcller-Jung (F.A.Z.), diskutierten Sabine\nWolfram,&nbsp; Direktorin des Staatlichen\nMuseums f\u00fcr Arch\u00e4ologie in Chemnitz, Hans Peter Hahn, Professor f\u00fcr Ethnologie\nan der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt, und Volker Mosbrugger, Generaldirektor der\nSenckenberg Gesellschaft f\u00fcr Naturforschung, \u00fcber zentrale Aspekte des\nAnthropoz\u00e4ns und seiner Entstehung. So entstand eine angeregte Debatte zum\nThema aus der Sicht von Arch\u00e4ologie, Ethnologie und Geologie, bei der auch vor\nsozial- und gesellschaftskritischen Fragen nicht zur\u00fcckgescheut wurde.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"666\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Buchmesse-2019-1024x666.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-494\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Buchmesse-2019-1024x666.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Buchmesse-2019-600x390.jpg 600w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Buchmesse-2019-800x520.jpg 800w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Buchmesse-2019-768x500.jpg 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Buchmesse-2019-90x60.jpg 90w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> Abb. 1. Podiumsdiskussion auf der Frankfurter Buchmesse am 17. Oktober 2019. Von links nach rechts: Volker Mosbrugger, Hans Peter Hahn, Sabine Wolfram, Joachim M\u00fcller-Jung (Foto: Chr. Rummel, RGK). <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ein wesentlicher\nDiskussionspunkt des Anthropoz\u00e4ns ist die grunds\u00e4tzliche Frage, inwieweit es\nangemessen ist, einen so kurzen Zeitraum \u2013 wie er derzeit f\u00fcr das Anthropoz\u00e4n\ndiskutiert wird \u2013als \u201eErdzeitalter\u201c einzustufen. Gemeinhin wird konstatiert,\ndas Anthropoz\u00e4n l\u00f6se das Holoz\u00e4n ab. Aber wann? Ist eine Grenze um 1950 zu\nziehen \u2011 angesichts der Atombombentests, die weltweite, stratigraphisch\nbelegbare Ver\u00e4nderungen verursachten? Und vielleicht deshalb, weil in der\nzweiten H\u00e4lfte des 20. Jhs. eine Beschleunigung beim Ressourcenverbrauch und\nKlimawandel, ein exponentieller Anstieg der Produktion von R\u00fcckst\u00e4nden in der\nUmwelt \u2013 Stichworte Plastikm\u00fcll und Treibhausgase&nbsp; \u2013 sowie die Reduktion von Artenvielfalt in\neinem vorher unbekannten Ma\u00dfe eingetreten ist?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch wenn aus geologischer Sicht eine klare Linie gezogen werden k\u00f6nnte, ist eine grunds\u00e4tzliche Ver\u00e4nderung der Wechselbeziehung Mensch-Erde und ein nachhaltiger Einfluss auf die Um- und Mitwelt bereits fr\u00fcher erkennbar, allersp\u00e4testens seit der Industriellen Revolution. Das w\u00fcrde sich, so Mosbrugger, mit messbaren Ver\u00e4nderungen im System Mensch-Erde, welche man vielleicht als \u201eAnthroposph\u00e4re\u201c bezeichnen k\u00f6nnte, decken: Ein eindeutiger, globaler Anstieg im -Gehalt ist ab der Mitte des 19. Jhs. belegt. Vielleicht k\u00f6nnte und sollte man aber durchaus schon in die Jungsteinzeit zur\u00fcckschauen. Denn sp\u00e4testens ab ca. 6000 v. Chr. beginnt&nbsp; der Mensch &#8211; in Europa konkreter auf seine Umwelt einzuwirken, als sie nur f\u00fcr sich zu nutzen. Als Ergebnis seiner neu gefundenen Sesshaftigkeit f\u00e4ngt er an, bodenbildende Prozesse zu ver\u00e4ndern, bestimmte Tier- und Pflanzenarten zu z\u00fcchten und seine Umwelt f\u00fcr die Landwirtschaft und die Ressourcennutzung zu optimieren. Dies sind Aspekte der fr\u00fchen Menschheitsgeschichte, die auch von der RGK u. a. im Rahmen eines Forschungsprojekts in S\u00fcdungarn erforscht werden (siehe: <a href=\"https:\/\/publications.dainst.org\/journals\/efb\/1617\">https:\/\/publications.dainst.org\/journals\/efb\/1617<\/a>; <a href=\"https:\/\/publications.dainst.org\/journals\/efb\/2170\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"https:\/\/publications.dainst.org\/journals\/efb\/2170 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">https:\/\/publications.dainst.org\/journals\/efb\/2170<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"625\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/First-Farmers_Spuren-1024x625.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-505\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/First-Farmers_Spuren-1024x625.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/First-Farmers_Spuren-600x366.jpg 600w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/First-Farmers_Spuren-800x488.jpg 800w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/First-Farmers_Spuren-768x469.jpg 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/First-Farmers_Spuren.jpg 1499w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> Abb. 2. \u00dcber vielf\u00e4ltige Spuren des Menschen in Europa und die ersten Bauern im Karpatenbecken w\u00e4hrend der Jungsteinzeit kann man gleich in zwei 2019 erschienen Publikationen mit RGK-Beteiligung lesen. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\nLetztendlich, so argumentierte Wolfram, kann man\nerst mithilfe der ur- und fr\u00fchgeschichtlichen Arch\u00e4ologie die ganze Entwicklung\nhin zum Anthropoz\u00e4n belegbar nachvollziehen. Sie schlug daher vor, vom\n\u201eProtoanthropoz\u00e4n\u201c zu sprechen, um dem menschlichen Einfluss auf seine Umwelt\nseit der Jungsteinzeit Rechenschaft zu tragen, diesen aber von den globalen und\nrapiden Ver\u00e4nderungen seit Mitte des 19. Jh. abzugrenzen. \n\n\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\nHahn vertrat dagegen die Position, das\nAnthropoz\u00e4n nicht als klar definierbare Einheit bestimmen zu wollen, da es sich\nvielmehr um Prozesse, vor allem aber die Effekte menschlicher Handlungen und\nDinge handelt. Er argumentierte f\u00fcr eine immer komplizierter werdende\n\u201everh\u00e4ngnisvolle Verstrickung von Kultur und Natur\u201c. Wir nutzen, ver\u00e4ndern und\nverbrauchen, sind uns oft aber \u00fcber die (Langzeit-)Folgen dieser Praktiken sowie\ndie Konsequenzen der Produktion und des Konsums \u2013 Nutzen und Verwerfen \u2013 von\nDingen gar nicht im Klaren.\n\n\n\n<\/p>\n\n\n\n<p> Deshalb m\u00fcssen wir fragen: Liegt vielleicht die wesentliche Ver\u00e4nderung in der Skalierung verschiedener Mensch-Ding-Umwelt-Interaktionen, die immer schon prozesshaft waren \u2013 fr\u00fcher aber eher lokale Effekte hatten und sich nun global auswirken? So lebte die Menschheit \u00fcber Jahrtausende hinweg mit und in ihrem eigenen M\u00fcll \u2011 man denke nur an die auf ihrem eigenen Siedlungsschutt gewachsenen Tell-Siedlungen S\u00fcdosteuropas und Vorderasiens, wie sie die RGK im Einzugsgebiet der Thei\u00df erforscht (<a href=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/2019\/01\/04\/luftbildarchaeologische-untersuchen-in-suedost-ungarn\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/2019\/01\/04\/luftbildarchaeologische-untersuchen-in-suedost-ungarn\/ (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/2019\/01\/04\/luftbildarchaeologische-untersuchen-in-suedost-ungarn\/<\/a>). Bis heute hat die Menschheit eine Technosph\u00e4re kreiert, die mit 50 kg pro Quadratmeter die Erdoberfl\u00e4che bedeckt. Statt einer Trendwende hin zu einer Reduktion, beschleunigt sich dieser Prozess der \u201eMassendinghaltung\u201c stetig weiter. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"344\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Testaccio_monte_dei_cocci_051204-12-13-1024x344.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-507\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Testaccio_monte_dei_cocci_051204-12-13-1024x344.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Testaccio_monte_dei_cocci_051204-12-13-600x202.jpg 600w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Testaccio_monte_dei_cocci_051204-12-13-800x269.jpg 800w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Testaccio_monte_dei_cocci_051204-12-13-768x258.jpg 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Testaccio_monte_dei_cocci_051204-12-13-540x180.jpg 540w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Testaccio_monte_dei_cocci_051204-12-13-480x160.jpg 480w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Testaccio_monte_dei_cocci_051204-12-13.jpg 1771w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> Abb. 3. Besonders ber\u00fchmt ist der Monte Testaccio in Rom, ein H\u00fcgel von rund 1000 Meter Durchmesser und einer etwa 45 Meter hohen Schicht an Scherben von ca. 53 Millionen Amphoren. Nach ihm ist heute ein Stadtviertel Roms benannt (https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Testaccio_monte_dei_cocci_051204-12-13.JPG). <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\nEs sind jedoch nicht nur die Spuren und Dinge,\ndie wir hinterlassen, die Mensch-Umwelt-Beziehungen nachhaltig definieren und\npr\u00e4gen. Ebenso wichtig, und vielleicht von noch direkter Konsequenz f\u00fcr unsere\nUmwelt, ist die Nutzung von Ressourcen. Ausbeutung von Bodensch\u00e4tzen sowie \u00dcbernutzung\nvon Meer und Boden sind akute Themen der heutigen Debatte um das Anthropoz\u00e4n.\nDer Mensch hat aber immer schon seine Umwelt genutzt und ver\u00e4ndert \u2013 so in Form\nfr\u00fchesten Bergbaus seit der Steinzeit, durch Abholzung ganzer Landstriche\ngerade in der R\u00f6merzeit, oder Ausrottung bestimmter Tierarten in einzelnen\nRegionen seit fr\u00fchester Zeit. Dementsprechend wichtig ist es, auch\npr\u00e4historische Ressourcen-, Produktions- und Distributionslandschaften zu\nuntersuchen, wie dies die RGK in Zukunft zum Beispiel zusammen mit\n\u00d6sterreichischen Kolleg*innen zur Salzlandschaft Hallstatt plant.\n\n\n\n<\/p>\n\n\n\n<p> W\u00e4hrend die Menschheit also ihre Umwelt immer schon in irgendeiner Form ausgebeutet hat, hat sich dieser Prozess, gerade auch als Ergebnis der Explosion der Erdbev\u00f6lkerung, immer weiter beschleunigt und verst\u00e4rkt und nun ein Ausma\u00df erreicht, das nicht mehr tragbar ist. In der Arch\u00e4ologie wird dieses Ph\u00e4nomen kleinr\u00e4umig immer wieder bei der Entstehung von Siedlungskonzentrationen und Gro\u00dfsiedlungen beobachtet, die nur eine oder zwei Generationen \u00fcberdauern, weil man die damit auch verbundenen sozialen Herausforderungen nicht immer erfolgreich meistert. Insbesondere die sogenannten \u201emega-sites\u201c der Kupferzeit in Moldawien und der Ukraine sind hierf\u00fcr spannende Fallstudien, die die RGK zusammen mit &nbsp;moldawischen und ukrainischen Partnern sowie der Universit\u00e4t Kiel auch im Rahmen des Exzellenzclusters ROOTs untersucht (<a href=\"https:\/\/publications.dainst.org\/journals\/efb\/2116\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"https:\/\/publications.dainst.org\/journals\/efb\/2116 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">https:\/\/publications.dainst.org\/journals\/efb\/2116<\/a>). <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Stolniceni_2019-900x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-508\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Stolniceni_2019-900x1024.jpg 900w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Stolniceni_2019-352x400.jpg 352w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Stolniceni_2019-527x600.jpg 527w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Stolniceni_2019-768x874.jpg 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/Stolniceni_2019.jpg 922w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption> Abb. 4. Kupferzeitliche Gro\u00dfsiedlung von Stolniceni, Republik Moldau, mit zahlreichen unterschiedlichen Bodeneingriffen durch den Menschen, u. a. \u00fcber 350 H\u00e4user, Wege als Erosionsrinnen und zahlreiche T\u00f6pfer\u00f6fen (Grafik: K. Rassmann, RGK). <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Laut Mosbrugger\nist daher heute umso mehr ein \u201enachhaltiger Umgang mit der Natur, insbesondere\neine nachhaltige L\u00f6sung der Energieproduktion\u201c wichtig. Der Mensch darf\ngrunds\u00e4tzlich nicht mehr verbrauchen, als nachw\u00e4chst \u2011 eine Gleichung, die lange\nZeit Bestand hatte, heute aber nicht mehr aufgeht. Mosbrugger pr\u00e4sentierte zwei\nm\u00f6gliche Zukunftsszenarien: Im positiven Szenario findet die Menschheit\ninnerhalb der n\u00e4chsten ca. 100 Jahren einen derartigen Weg der Nachhaltigkeit\nf\u00fcr eine Erdbev\u00f6lkerung von z. B. 8\u20139 Milliarden Menschen. Im negativen\nSzenario wird dies nicht erreicht und es gibt keine grundlegende Ver\u00e4nderung.\nDie \u201eAnthroposph\u00e4re\u201c reagiert und die Erdbev\u00f6lkerung w\u00fcrde, so eine Prognose, \u2013\ndurch welche Mechanismen auch immer \u2013 drastisch reduziert, z. B. auf ca. 5\nMilliarden. Denn mit dieser Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe ist ein nachhaltiges System bei\nBeibehaltung derzeitiger Anspr\u00fcche eher m\u00f6glich. Eine dramatische Vorstellung,\ndie grunds\u00e4tzlich von dem Gedanken einer \u201etragedy of the endless\u201c gepr\u00e4gt ist \u2013\nwir denken, wir k\u00f6nnten die Natur nutzen, da sie unersch\u00f6pflich sei. Bei einer\nErdbev\u00f6lkerung von mehr als 7,5 Milliarden trifft dies aber nicht mehr zu, und\ndie Erdressourcen sind nicht mehr \u201eendlos\u201c. Fazit: Wir m\u00fcssen einen neuen\nUmgang mit unseren Dingen und der Welt und lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie k\u00f6nnte\nein derartiger Weg \u2013 vielleicht sogar aus dem Anthropoz\u00e4n hinaus \u2013 aussehen?\nLaut Mosbrugger m\u00fcsste der Mensch sich der langen Entwicklung der\n\u201eAnthroposph\u00e4re\u201c anpassen und Evolution als Selbstorganisation auffassen. Da\nderartig hochkomplexe Systeme nicht steuerbar seien, br\u00e4uchte es ein\nevolution\u00e4res System, in dem jede(r) Einzelne durch neue individuelle Wege zu\neiner konstanten Neuerfindung unseres Verh\u00e4ltnisses mit unserer Umgebung\nbeitragen k\u00f6nnte und w\u00fcrde. Hierbei, darin war sich das Podium einig, k\u00f6nnen\nund werden Zukunftstechnologien wie K\u00fcnstliche Intelligenz eine Rolle spielen.\nAber auch der allt\u00e4gliche Umgang mit Dingen jedes einzelnen m\u00fcsste \u00fcberdacht\nwerden \u2013 so k\u00f6nnte man laut Hahn zum Beispiel aus dem kreativen Umgang mit\n\u201eM\u00fcll\u201c, wie er derzeit schon in einigen Teilen der Welt und \u2011 wenn auch im\nkleineren Ma\u00dfe \u2013 unserer Gesellschaft betrieben wird, lernen. Ganz zentral sei\nhier Nachhaltigkeit im Umgang mit Dingen. Wolfram betonte, dass hier letztlich\nauch grundlegende Ideen unserer kapitalistischen Konsumwirtschaft in Frage\ngestellt werden m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"764\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/AW-1-2019-cover-764x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-509\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/AW-1-2019-cover-764x1024.jpg 764w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/AW-1-2019-cover-298x400.jpg 298w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/AW-1-2019-cover-448x600.jpg 448w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2019\/11\/AW-1-2019-cover-768x1029.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 764px) 100vw, 764px\" \/><figcaption><br> Abb. 5. Der Klimawandel und die Frage wie der Mensch seine Umwelt ver\u00e4ndert, war auch Leitthema einer Ausgabe des DAI-Magazins Arch\u00e4ologie Weltweit 2019.  <a href=\"https:\/\/www.dainst.org\/publikationen\/archaeologie-weltweit\">https:\/\/www.dainst.org\/publikationen\/archaeologie-weltweit<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich war\nsich das Podium einig, das Anthropoz\u00e4n prim\u00e4r als Debatte zu sehen. Zur\nDiskussion steht die Rolle des Menschen als Teil eines gr\u00f6\u00dferen und hochgradig\nkomplexen Systems. Keineswegs ist der Mensch alleiniger Akteur, er interagiert\nmit seinem Umfeld und beeinflusst dieses, wird aber genauso von seinem Umfeld\nund seiner Umwelt beeinflusst. Insbesondere Hahn pl\u00e4dierte daf\u00fcr, in diesem\nRahmen auch die Natur als Akteur zu sehen. &nbsp;Die wesentliche Ver\u00e4nderung, die das\nAnthropoz\u00e4n definieren k\u00f6nnte, so das einstimmige Fazit, ist, dass wir heute\nKr\u00e4fte in Gang setzen, die wir selbst nicht mehr kontrollieren (k\u00f6nnen), oft\nsogar zu sp\u00e4t erst verstehen. Der Kontrollverlust \u2013 obwohl man sich zugleich\nals wesentlichen Akteur begreift \u2013 wird damit zu einem zentralen Thema des\nAnthropoz\u00e4n. <\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend konstatierte Joachim M\u00fcller-Jung, dass mit dem Anthropoz\u00e4n also in gewisser Weise Menschheitsgeschichte Erdgeschichte wird. Wir als RGK ziehen daraus den Schluss, dass arch\u00e4ologische Bodenarchive f\u00fcr die Geschichte und das Verst\u00e4ndnis des (Proto-)Anthropoz\u00e4ns und genauso f\u00fcr die Klimaforschung von zentraler Bedeutung sind und immer wichtiger werden! Die Effekte der Mensch-Umwelt-Verstrickungen sind inzwischen global, aber dennoch lokal und regional in ihren Auswirkungen sehr unterschiedlich. Dies und die verschiedensten Bew\u00e4ltigungspraktiken des Menschen k\u00f6nnen wir als Arch\u00e4olog*innen sehr gut an den Forschungspl\u00e4tzen unseres global agierenden Instituts untersuchen und so einen wichtigen Diskussionsbeitrag zum Anthropoz\u00e4n leisten. Die Frage von Kulturerbe und Anthropoz\u00e4n wird daher das DAI in den n\u00e4chsten Jahren begleiten. Wir freuen uns bereits auf die Fortsetzung der Debatte bei der vom 24.-26. M\u00e4rz 2020 in Berlin stattfindenden, vom Archaeological Heritage Network und dem DAI organisierten Konferenz \u201eGround Check \u2011 Kulturerbe und Klimawandel\u201c!<\/p>\n\n\n\n<p>AutorInnen: Christoph Rummel,  Kerstin P. Hofmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arch\u00e4ologie, Ethnologie und Geologie im Dialog zu Natur-Kultur- und Mensch-Umwelt-Verstrickungen. Ist die Jungsteinzeit der Beginn eines langen Prozesses und wer macht eigentlich wie (Erdzeitalter-)Epoche?&nbsp; Diese und andere Fragen besch\u00e4ftigen die RGK derzeit nicht nur im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf dem Weltempfang der Frankfurter Buchmesse. Am 17. Oktober 2019 organisierte die R\u00f6misch-Germanische Kommission des Deutschen Arch\u00e4ologischen Instituts im Rahmen des Weltempfangs [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[54,56,55],"class_list":["post-492","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-anthropozaen","tag-buchmesse","tag-klimawandel"],"cc_featured_image_caption":{"caption_text":false,"source_text":false,"source_url":false},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/492"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=492"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/492\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3044,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/492\/revisions\/3044"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=492"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}