{"id":660,"date":"2020-12-03T17:11:03","date_gmt":"2020-12-03T16:11:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/?p=660"},"modified":"2021-12-02T16:31:48","modified_gmt":"2021-12-02T15:31:48","slug":"der-boden-als-archaeologisches-archiv-ein-beitrag-zum-weltbodentag-am-5-dezember","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/2020\/12\/03\/der-boden-als-archaeologisches-archiv-ein-beitrag-zum-weltbodentag-am-5-dezember\/","title":{"rendered":"Der Boden als arch\u00e4ologisches Archiv: Ein Beitrag zum Weltbodentag am 5. Dezember"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"660\" class=\"elementor elementor-660\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-5902f0ff elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"5902f0ff\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-765223dd\" data-id=\"765223dd\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-3a4553c2 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"3a4553c2\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\n<p>von Isabel A. Hohle und Melani Podgorelec<\/p>\n\n<p>\u201e<em>Die Internationale Bodenkundliche Union (IUSS) hat im Rahmen ihres 17. Weltkongresses, im August 2002 in Bangkok, den 5. Dezember zum Weltbodentag (World Soil Day) ernannt. Mit ihm soll ein j\u00e4hrliches Zeichen f\u00fcr die Bedeutung der nat\u00fcrlichen Ressource Boden gesetzt werden.<\/em>\u201c (<a href=\"https:\/\/www.bvboden.de\/aktuelles\/weltbodentag\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.bvboden.de\/aktuelles\/weltbodentag<\/a>)<\/p>\n\n<p>Der Boden ist eine nat\u00fcrliche Ressource, dessen Bedeutung erfreulicherweise immer st\u00e4rker in den Fokus verschiedener Wissenschaften r\u00fcckt. Durch seine Archivfunktion ist Boden ein Informationstr\u00e4ger \u00fcber vergangene Prozessabl\u00e4ufe und Umweltbedingungen, aber auch menschlicher Aktivit\u00e4ten und somit \u00a0eine Ressource f\u00fcr Wissen. \u00a0Daher besch\u00e4ftigen sich auch Arch\u00e4olog*innen zunehmend damit ihn als Quelle und Archiv f\u00fcr ihre Forschungen nutzbar zu machen, ihn zu dokumentieren und als Kulturerbe zu erhalten. Insbesondere die Erforschung von Klimawandel und dem Faktor Mensch sind hier von Interesse bzw. \u00a0wird der Umgang des Menschen mit den daraus resultierenden Herausforderungen im Deutschen Arch\u00e4ologischen Institut (DAI) derzeit im Zuge der Groundcheck-Initiative untersucht und diskutiert (<a href=\"https:\/\/www.dainst.org\/-\/ground-check-cultural-heritage-and-climate-change?redirect=%2Fdai%2Fmeldungen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.dainst.org\/-\/ground-check-cultural-heritage-and-climate-change?redirect=%2Fdai%2Fmeldungen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=PLq4Pz4R7ts0VNR37nnAfTTiZqVmQ8mQiO\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.youtube.com\/playlist?list=PLq4Pz4R7ts0VNR37nnAfTTiZqVmQ8mQiO<\/a> ). Zum Thema Anthropoz\u00e4n f\u00fchrte die RGK 2019 z. B. eine Podiumsdiskussion auf der Frankfurter Buchmesse durch (<a href=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/2019\/11\/08\/mensch-ding-welt-ein-langer-weg-zum-anthropozaen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"post\" data-id=\"492\">Mensch \u2013 Ding \u2013 Welt: Ein langer Weg zum Anthropoz\u00e4n<\/a>).<\/p>\n\n<p>Was bei Ausgrabungen meist weggebaggert und weggeschaufelt wurde, wird inzwischen auf verschiedene Weisen beprobt und zum Teil sogar archiviert. Beispielsweise f\u00fchren arch\u00e4ologische Landes\u00e4mter in Deutschland das Anfertigen von Bodenproben f\u00fcr unterschiedlichste Untersuchungen bei ihren Richtlinien f\u00fcr Ausgrabungen auf. Auch an der RGK werden Bodenproben von verschiedenen Ausgrabungen und Bohrkampagnen inzwischen systematisch archiviert. Bodendenkm\u00e4ler, die nicht gef\u00e4hrdet sind, l\u00e4sst man gesch\u00fctzt im Boden \u2011 dort werden sie am besten konserviert. Das Bohren als minimalinvasive Methode bietet hier M\u00f6glichkeiten, dennoch viele Informationen \u00fcber arch\u00e4ologische Fundpl\u00e4tze zu gewinnen, wenn Ausgrabungen nicht m\u00f6glich oder nicht n\u00f6tig sind.<\/p>\n\n<p><strong>Die haben ordentlich Dreck am Stecken! Ein Beispiel f\u00fcr Forschungen an und mit Bodenproben an der RGK<\/strong><\/p>\n\n<p>Diese Redewendung stammt aus jenen Zeiten, als die Wege noch nicht befestigt gewesen sind und man dauernd dreckige Schuhe hatte. Bevor man ein Geb\u00e4ude betrat, musste man sich also das Schuhwerk reinigen. Dies tat man mit einem sogenannten Stecken (zum Beispiel nachzuh\u00f6ren in der ARD Audiothek: <a href=\"https:\/\/www.ardaudiothek.de\/1000-antworten\/woher-kommt-die-redewendung-dreck-am-stecken-haben\/68812876\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.ardaudiothek.de\/1000-antworten\/woher-kommt-die-redewendung-dreck-am-stecken-haben\/68812876<\/a>). Im \u00fcbertragenen Sinne bedeutet es auch, dass jemand etwas zu verbergen hat oder Schuld auf sich genommen hat \u2011 denn Dreck stand und steht im deutlichen Gegensatz zu Reinheit und Unschuld.<\/p>\n\n<p>Arch\u00e4olog*innen halten sich nat\u00fcrlich \u2011 nicht nur in diesen Zeiten \u2011 an die g\u00e4ngigen Hygienerichtlinien. Und da auch wir gerade \u00fcberwiegend im Home Office arbeiten, anstatt in der Welt auf Feldforschungen zu sein, bleiben unsere Schuhe sauber. Was nicht hei\u00dft, dass wir uns nicht dennoch mit \u201eDreck\u201c besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n<p>Wenn Wege nicht befestigt gewesen sind, wie schaffen es Arch\u00e4olog*innen eigentlich dennoch diese nachzuweisen? Da gibt es mehrere M\u00f6glichkeiten und um eine geht es hier ganz konkret. Denn in den Sedimenten aus arch\u00e4ologischen Kontexten stecken (!) eine F\u00fclle an (zun\u00e4chst unsichtbaren) Informationen. Bei den Feldforschungen der RGK und dem dort ans\u00e4ssigen Referat f\u00fcr Prospektions- und Grabungsmethodik (RefPGM) werden minimal- und noninvasive Methoden zur Erforschung arch\u00e4ologischer Fundstellen immer wichtiger (siehe auch Blogeintrag <a href=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/2019\/05\/29\/die-technische-abteilung-der-rgk-stellt-sich-vor\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"post\" data-id=\"359\">Das Referat f\u00fcr Prospektions- und Grabungsmethodik der RGK stellt sich vor<\/a> und bei der Radiosendung Quarks des WDR5 <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/mediathek\/audio\/wdr5\/quarks\/hintergrund\/audio-archaeologie-und-hightech-prospektion-macht-graben-gezielter-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www1.wdr.de\/mediathek\/audio\/wdr5\/quarks\/hintergrund\/audio-archaeologie-und-hightech-prospektion-macht-graben-gezielter-100.html\">https:\/\/www1.wdr.de\/mediathek\/audio\/wdr5\/quarks\/hintergrund\/audio-archaeologie-und-hightech-prospektion-macht-graben-gezielter-100.html<\/a>). Anhand der generierten Daten aus unseren Magnetikmessungen, erfassen wir u.a. Siedlungsstrukturen, bestehend aus Geb\u00e4uden, Umfassungsgr\u00e4ben und Wallanlagen oder eben auch m\u00f6glichen Wegen. Die Bestimmung und Interpretation der Anomalien in den Magnetikmessungen ist jedoch nicht immer so leicht und eindeutig. Daher f\u00fchren wir an Strukturen, die uns besonders interessieren oder gro\u00dfe Fragen aufwerfen, z.T. auch gezielte Bohrungen durch. Und aus diesen Bohrungen werden Proben gewonnen, die wir dann in unserem kleinen Labor in Frankfurt\/Main untersuchen (Abb. 1). Zu diesen Untersuchungen geh\u00f6ren vor allem Messungen mit dem handgehaltenen R\u00f6ntgenfluoreszenzanalysator (kurz: RFA), mit dem wir die chemische Elementzusammensetzung der einzelnen Bodenproben bestimmen. Dieses Ger\u00e4t sieht aus wie eine gro\u00dfe Pistole und kann mobil eingesetzt werden (z.B. direkt auf der Ausgrabung oder auch an arch\u00e4ologischen Artefakten). Wir nutzen sie \u00fcberwiegend station\u00e4r mit einer Probenkammer und einer Heliumsp\u00fclung, die es uns erm\u00f6glicht auch leichte Elemente, wie Phosphor, zu erfassen (Abb. 1).<\/p>\n<div id=\"attachment_671\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671\" class=\"size-medium wp-image-671\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_1-1-800x264.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"264\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_1-1-800x264.jpg 800w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_1-1-1024x338.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_1-1-600x198.jpg 600w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_1-1-768x253.jpg 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_1-1-1536x507.jpg 1536w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_1-1-2048x676.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><p id=\"caption-attachment-671\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 1 links: Probenentnahme aus einem Bohrkern im Labor der RGK in Frankfurt. Rechts: Messung einer Bodenprobe mit der RFA. [Attribution: J. Kalmbach; Copyright: RGK]<\/p><\/div>\n\n<p>Und damit zur\u00fcck zu den Wegen: Werden diese \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume von Mensch und Tier begangen, kann dort einiges an Unrat zusammen kommen. Tiere verrichten ihr Gesch\u00e4ft, Abfall wird an den Rand gekehrt, das Eine oder Andere aus organischem Material bleibt schlichtweg dort liegen (oder man hat Dreck an seinen Schuhen stecken\u2026). Wird so etwas \u00fcber l\u00e4ngere Zeit angesammelt, erh\u00f6hen sich dadurch u.a. auch die Phosphorwerte im Boden. Erfassen wir hohe Phosphorwerte in jenen Schichten, die wir aus Bohrungen oder Ausgrabungen an den Stellen gewonnen haben, wo wir Wege vermuten, haben wir deutliche Hinweise darauf, dass wir richtig liegen! Aber warum ist das \u00fcberhaupt relevant? Nachweise und Rekonstruktionen von Wegen lassen \u2011 neben anderen Merkmalen \u2011 ein Verstehen der r\u00e4umlichen Organisation einer Siedlung zu. Wege strukturieren D\u00f6rfer und St\u00e4dte, sind Kommunikationsr\u00e4ume und geben Hinweise zu sozialen und wirtschaftlichen Netzwerken von Fundpl\u00e4tzen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-662 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_2-1024x1009.png\" alt=\"\" width=\"676\" height=\"665\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_2-1024x1009.png 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_2-609x600.png 609w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_2-406x400.png 406w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_2-768x757.png 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_2-1536x1513.png 1536w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_2-2048x2018.png 2048w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_2-80x80.png 80w\" sizes=\"(max-width: 676px) 100vw, 676px\" \/>\n<figcaption><em>Abbildung 2 Dokumentation und Analyse eines Bohrkerns aus Gorzsa (Ungarn). Nach der Interpretation der Magnetometermessungen wurde gezielt eine Anomalie angebohrt, bei der es sich wahrscheinlich um die \u00dcberreste eines verbrannten Geb\u00e4udes handelt (Grafik: Melani Podgorelec, RGK).<\/em><\/figcaption>\n<\/figure>\n\n<p>Aus den Bohrungen und bodenchemischen Analysen lassen sich noch viel mehr Informationen herauslesen. 2019 haben wir neben Magnetikmessungen auch Bohrungen auf dem ungarischen Fundplatz H\u00f3dmez\u0151v\u00e1s\u00e1rhely-Gorzsa durchgef\u00fchrt. Dabei handelt es sich um eine Tell-Siedlung der Jungsteinzeit, also eine Siedlung, die vor etwa 7000 Jahren bestand und die heute noch in der Landschaft als Erhebung oder H\u00fcgel erkennbar ist, da man \u00fcber Jahrzehnte und Jahrhunderte an der immer gleichen Stelle auf zerfallenen, zerst\u00f6rten und einplanierten Geb\u00e4uden baute \u2013 und die Siedlungen immer weiter in die H\u00f6he wuchs (\u00fcber eine andere Tell Siedlung wurde bereits im letzten Blog Beitrag berichtet <a href=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/2020\/11\/27\/elte-rgk-test-ausgrabung-zur-grabenanlage-einer-spaetneolithischen-tell-siedlung-in-ostungarn\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"post\" data-id=\"647\">ELTE-RGK Test-Ausgrabung zur Grabenanlage einer sp\u00e4tneolithischen Tell-Siedlung in Ostungarn<\/a>). Im Magnetikbild konnten wir eine Reihe von verbrannten Geb\u00e4uden identifizieren, von denen eines exemplarisch angebohrt wurde (Abb. 2). Die Kulturschichten des Bohrkerns enden in 2,70 m Tiefe, wobei beispielsweise die Phosphorwerte bereits ab 2,10 m Tiefe abnehmen. Schichten aus Brandlehm best\u00e4tigen die \u00dcberreste mindestens eines verbrannten Geb\u00e4udes. An dieser Stelle passen die Phosphorwerte mit den Calcium- und Kaliumwerten zusammen, was zus\u00e4tzlich untermauert, dass es sich um ein verbranntes Haus handelt. Die Phosphorwerte weisen gr\u00f6\u00dftenteils erh\u00f6hte Werte von 3000 bis 6000 ppm in den arch\u00e4ologischen Schichten auf (B-Horizont) und zeugen vom deutlichen anthropogenen Einfluss. Die sehr hohen Werte bis zu 9000 ppm im oberen Bereich weisen jedoch auf gegenw\u00e4rtige Einfl\u00fcsse hin (A-Horizont). Die zwei Schichten aus Brandlehm k\u00f6nnten dabei, trotz Trennschicht zu einer Phase eines Hauses geh\u00f6ren, bei denen die W\u00e4nde derart zusammengest\u00fcrzt sind. Aufgrund der Trennschicht kann es sich jedoch auch um mehrere Phasen eines oder unterschiedlicher H\u00e4user handeln, die zu verschiedenen Zeiten verbrannt und zusammengest\u00fcrzt sind. Das w\u00e4re f\u00fcr eine Tell-Siedlung nicht ungew\u00f6hnlich und man hat an anderen Tells der Region teilweise sogar bis zu f\u00fcnf \u00fcbereinanderliegende Schichten mit verbrannten Geb\u00e4uden nachweisen k\u00f6nnen. Im Fall von Gorzsa werden zuk\u00fcnftige Analysen und Feldforschungen sowie ein Abgleich mit \u00e4lteren Ausgrabungsdaten sicher Licht ins Dunkel bringen.<\/p>\n\n<p>Analysen von Bodenproben werden in der RGK bereits seit vielen Jahren vorgenommen und die Daten liegen uns in zahlreichen umfangreichen Tabellen vor. Diese Tabellen zu sichten und auszuwerten ist \u00fcbrigens eine T\u00e4tigkeit, die man sehr gut im Home Office machen kann. Momentan arbeiten die Mitarbeiter*innen des RefPGM von zu Hause an diesen Daten und besch\u00e4ftigen sich auch mit M\u00f6glichkeiten der Verbesserung und Erweiterung der Beprobungsstrategien und Probenvorbereitung, den M\u00f6glichkeiten der Auswertung und, ebenfalls sehr zentral, mit der Archivierung der Daten und Proben, sodass in Zukunft auch weitere, vielleicht neue Analysen, an den Bodenproben aus Ausgrabungen und Bohrungen vorgenommen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n<p>Weitere Infos zum Thema z.B. im Grabungstechniker-Rundbrief Ausgabe 16\/2020:<\/p>\n\n<p><a href=\"https:\/\/feldarchaeologie.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Publ_News_16s.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/feldarchaeologie.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Publ_News_16s.pdf<\/a><\/p>\n\n<p>\u00a0<\/p>\n\n<p>\u00a0<\/p>\n\n<p><strong>Und was sonst?<\/strong><\/p>\n\n<p>Wir k\u00f6nnen noch eine ganze Reihe weiterer Beispiele nennen, welche arch\u00e4ologisch relevanten Informationen aus Bodenproben gewonnen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n<p>Eine Sensation war es vor wenigen Jahren, als es Wissenschaftler*innen des Max-Planck Instituts f\u00fcr Evolution\u00e4re Anthropologie gelang aus H\u00f6hlensedimenten alte DNA von verschiedenen S\u00e4ugetieren zu extrahieren. Darunter tats\u00e4chlich auch DNA von Neandertalern. In der Denisova H\u00f6hle in Russland gelang es zudem DNA des erst seit einigen Jahren bekannten Denisova Menschen nachzuweisen, Nachzulesen ist das Ganze zum Beispiel hier:<\/p>\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/11247830\/dna-cave-sediments\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.mpg.de\/11247830\/dna-cave-sediments<\/a><\/p>\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/news\/ancient-human-genomes-plucked-from-cave-dirt-1.21910\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.nature.com\/news\/ancient-human-genomes-plucked-from-cave-dirt-1.21910<\/a><\/p>\n\n<p>Auch Kolleg*innen der RGK verfolgen mit dem MPI in Leipzig ein kleines Pilotprojekt.<\/p>\n\n<p>Vor zwei Jahren titelte das Smithsonian Institute \u201e<em>How the Remnants of Human Poop Could Help Archaeologists Study Ancient Populations<\/em>\u201d (<a href=\"https:\/\/www.smithsonianmag.com\/science-nature\/remnants-human-poop-help-archaeologists-study-ancient-populations-180970337\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.smithsonianmag.com\/science-nature\/remnants-human-poop-help-archaeologists-study-ancient-populations-180970337\/<\/a>) und bezog sich damit auf einen Artikel, der im Journal of Archaeological Science im Mai 2018 von A. J. White und Kolleg*innen erschienen ist. Vereinfacht gesagt, konnte man anhand menschlicher Exkremente in Bodenproben Ver\u00e4nderungen in Populationsgr\u00f6\u00dfen in Cahokia (Illinois) ableiten \u2011 die gr\u00f6\u00dfte pr\u00e4-kolumbianische Siedlung auf dem Gebiet der heutigen USA. Auch in anderen arch\u00e4ologischen Projekten gelang es anhand menschlicher oder tierischer F\u00e4kalreste in Bodenproben, Aussagen zur Besiedlungsintensit\u00e4t von Fundpl\u00e4tzen zu treffen.<\/p>\n\n<p>Mikrobiologische Analysen, mit denen zum Beispiel der Nachweis von Bakterien, Pilzen und weiteren Mikroorganismen gelingen kann, erlauben wiederum mitunter Aussagen zu Krankheiten und bestimmten menschlichen Aktivit\u00e4ten. Bereits eine lange Forschungstradition hat\u00a0 die Arch\u00e4obotanik, die aus Bodenproben anhand von Pollenanalysen, Makrorestanalysen (z.B. erhaltene Samen und Fr\u00fcchte) oder sogenannten Phytolithen (mikroskopisch kleine Strukturen aus Kiesels\u00e4ure, die in einigen Pflanzengeweben vorkommen und lange im Boden erhalten bleiben k\u00f6nnen) Aussagen zu Ern\u00e4hrung, Landschaft und Umwelt und Klima trifft. Auch am DAI werden z.B. am Naturwissenschaftlichen Referat in Berlin solche Untersuchungen durchgef\u00fchrt (<a href=\"https:\/\/www.dainst.org\/standort\/-\/organization-display\/ZI9STUj61zKB\/18594\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.dainst.org\/standort\/-\/organization-display\/ZI9STUj61zKB\/18594\">https:\/\/www.dainst.org\/standort\/-\/organization-display\/ZI9STUj61zKB\/18594<\/a>).<\/p>\n\n<p>Wir behalten die Entwicklungen im Bereich naturwissenschaftlicher Analysem\u00f6glichkeiten an und mit Bodenproben im Auge. Was bereits jetzt klar ist: das Potential von Bodenproben zur Erforschung der Menschheitsgeschichte ist nicht zu untersch\u00e4tzen. Im Gegenteil, die Forschungen der letzten Jahre lassen vermuten, dass sich bereits bekannte Methoden weiter entwickeln werden und neue Techniken zur Extrahierung wissenschaftlicher Informationen aus Bodenproben entstehen.<\/p>\n\n<p>Umso wichtiger erscheint es uns daher, unsere seit einigen Jahren angewandte Praxis der Archivierung von Bohrkernen und Bodenproben weiter auszubauen und zu professionalisieren. F\u00fcr die Zukunft stellen wir uns daher ein Magazin vor, in dem unter den besten Bedingungen Bohrkerne und Bodenproben gelagert werden k\u00f6nnen, um diese wichtigen Archive auch f\u00fcr k\u00fcnftige Untersuchungen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Wir sind daher im regen Austausch mit verschiedenen Wissenschaftler*innen u.a. an Geowissenschaftlichen Instituten und Forschungseinrichtungen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-rounded\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"747\" class=\"wp-image-663\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_3-1024x747.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_3-1024x747.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_3-800x584.jpg 800w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_3-548x400.jpg 548w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_3-768x561.jpg 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_3-1536x1121.jpg 1536w, https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-content\/uploads\/sites\/9\/2020\/12\/2020-12-03_blog_bodenarchive_abb_3-2048x1495.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/>\n<figcaption><em>Abbildung 3 Unscheinbare Sch\u00e4tze: Das derzeitige Probenarchiv an der RGK in Frankfurt (Fotos: I. Hohle, RGK)<\/em><\/figcaption>\n<\/figure>\n\n<p>Die arch\u00e4ologischen Aspekte des Bodens machen vielleicht nur einen kleinen Teil seiner Bedeutung aus und ihm sollte vor allem als nicht unendliche nat\u00fcrliche Ressource mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Arch\u00e4olog*innen buddeln die Erde jedenfalls schon l\u00e4ngst nicht mehr gedankenlos weg und das Potential des Bodens als arch\u00e4ologische Quelle zur Menschheitsgeschichte wird immer deutlicher.<\/p>\n\n<p>In diesem Sinne:<\/p>\n\n<p><strong>Happy World Soil Day!<\/strong><\/p>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-91b2fce elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"91b2fce\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-2445e5d\" data-id=\"2445e5d\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-0715946 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"0715946\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>PS: Die Arbeiten des Probenarchivs der RGK sind eingebunden in die Groundcheck Initiative des DAI, die ebenfalls ein eigenes Blog hat <a href=\"https:\/\/www.dainst.blog\/groundcheck\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.dainst.blog\/groundcheck\/<\/a>. <\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Isabel A. Hohle und Melani Podgorelec \u201eDie Internationale Bodenkundliche Union (IUSS) hat im Rahmen ihres 17. Weltkongresses, im August 2002 in Bangkok, den 5. Dezember zum Weltbodentag (World Soil Day) ernannt. Mit ihm soll ein j\u00e4hrliches Zeichen f\u00fcr die Bedeutung der nat\u00fcrlichen Ressource Boden gesetzt werden.\u201c (https:\/\/www.bvboden.de\/aktuelles\/weltbodentag) Der Boden ist eine nat\u00fcrliche Ressource, dessen Bedeutung erfreulicherweise immer st\u00e4rker in [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":28,"featured_media":667,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[62,60,63,61,64,41,42,43,65],"class_list":["post-660","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-bodenchemie","tag-bodenproben","tag-bohrungen","tag-deutsches-archaeologisches-institut","tag-naturwissenschaftliche-analysen","tag-referat-fuer-prospektions-nd-grabungsmethodik-der-rgk","tag-rgk","tag-roemisch-germanische-kommission","tag-weltbodentag"],"cc_featured_image_caption":{"caption_text":false,"source_text":false,"source_url":false},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/660"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/users\/28"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=660"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/660\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":956,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/660\/revisions\/956"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/media\/667"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/crossing-borders\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}