{"id":1586,"date":"2022-10-10T17:47:42","date_gmt":"2022-10-10T15:47:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/?p=1586"},"modified":"2022-10-10T17:47:45","modified_gmt":"2022-10-10T15:47:45","slug":"unter-den-augen-der-goettin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/unter-den-augen-der-goettin\/","title":{"rendered":"Unter den Augen der G\u00f6ttin: Zwei neu entdeckte Felsheiligt\u00fcmer in der Mikroregion Pergamon"},"content":{"rendered":"<p><em>Felix Pirson, Bernhard Ludwig, G\u00fcler Ate\u015f<\/em><\/p>\n<p>In der Antike war das Verh\u00e4ltnis der Menschen zur Natur stark von der Religion gepr\u00e4gt. Naturph\u00e4nomene wie Blitz und Donner, aber auch die Morgenr\u00f6te oder das Reifen der Feldfr\u00fcchte wurden mit dem Wirken g\u00f6ttlicher M\u00e4chte in Verbindung gebracht. An sie wandte man sich mit der Bitte um Segen oder den Schutz vor Unheil durch die als allm\u00e4chtig empfundenen Naturkr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Ausdruck dieser religi\u00f6sen Naturverbundenheit sind die zahlreichen Naturheiligt\u00fcmer, die sich in der antiken Mittelmeerwelt und dar\u00fcber hinaus erhalten haben. Anders als die gro\u00dfen offiziellen Heiligt\u00fcmer mit ihren aufwendigen Architekturen, Bildwerken und Inschriften bestehen sie in erster Linie aus einem Naturmal wie einem prominenten Felsen oder Berggipfel, einer Quelle, einer H\u00f6hle oder auch einem Hain, das als Wohnort oder Manifestation der Gottheit verehrt wird. In vielen F\u00e4llen k\u00f6nnen auch mehrere Naturph\u00e4nomene, insbesondere Felsen und Quelle, miteinander kombiniert sein. In den meisten F\u00e4llen zeugen Felsabarbeitungen in Form von Nischen, B\u00e4nken, Standfl\u00e4chen f\u00fcr Alt\u00e4re oder Rinnen und Becken f\u00fcr Wasserinstallationen von den Kultpl\u00e4tzen. Daneben sind Konzentrationen von Votivgaben aus Ton, d. h. in erster Linie kleine G\u00f6tterbilder, \u00d6llampen oder auch Tongeschirr f\u00fcr Festm\u00e4hler im Rahmen des Kultes wichtige Anzeiger f\u00fcr die Pr\u00e4senz eines Naturheiligtums.<\/p>\n<p>In der Mikroregion Pergamon waren bislang vier Fels- oder Naturheiligt\u00fcmer bekannt (Abb. 1), von denen das besonders aussagekr\u00e4ftige H\u00f6hlenheiligtum \u201e<a href=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/rettungsgrabung-schreibt-geschichte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ball\u0131k Ma\u011faras\u0131<\/a>\u201c erst 2020 im Rahmen des <a href=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/about-the-project\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">TransPergMikro<\/a> Umlandsurveys entdeckt worden war. Aber auch innerhalb des ummauerten Stadtgebietes von Pergamon konnten mehrere Felsheiligt\u00fcmer nachgewiesen werden. Inner- und au\u00dferst\u00e4dtische Felsheiligt\u00fcmer weisen zahlreiche Gemeinsamkeiten, aber auch signifikante Unterschiede auf, die sie alle als individuelle, ortsbezogene Sch\u00f6pfungen mit unmittelbarem Natur- und Landschaftsbezug charakterisieren. Zu den Gemeinsamkeiten eines Gro\u00dfteils der Kultpl\u00e4tze z\u00e4hlt, dass sie untereinander Sichtbez\u00fcge aufweisen und auf das Heiligtum von Mamurt Kale in den Bergen s\u00fcd\u00f6stlich von Pergamon ausgerichtet sind, das unter dem Gr\u00fcnder der Dynastie der Attaliden Philetairos (281-263 v. Chr.) monumental ausgebaut wurde. In diesem Heiligtum wurde die urspr\u00fcnglich aus dem zentralanatolischen Phrygien stammende Mutterg\u00f6ttin Meter verehrt, deren Wirkungsmacht in den Bereichen Natur und Fruchtbarkeit lag. Sie war auch in Pergamon au\u00dfergew\u00f6hnlich popul\u00e4r, wo wir ihr in zahllosen Tonfiguren aus den H\u00e4usern, aber auch in Gestalt einer lebensgro\u00dfen Statue auf der Altarterrasse begegnen. Die meisten der bisher bekannten Felsheiligt\u00fcmer in der Mikroregion Pergamon, die alle in der unteren westlichen Ebene des Bak\u0131r \u00c7ay (Kaikos) liegen, waren ihr geweiht. Nach derzeitigem Stand der Forschung k\u00f6nnen wir somit davon ausgehen, dass Meter in der Interaktion zwischen Menschen und Naturraum in der pergamenischen Landschaft eine wesentliche Rolle spielte, die von der Dynastie der Attaliden weiter bef\u00f6rdert und auch zur Legitimation ihrer Herrschaft im Kernbereich ihres Territoriums eingesetzt wurde.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"757\" data-id=\"1572\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-01.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1572\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-01.jpg 1200w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-01-300x189.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-01-1024x646.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-01-768x484.jpg 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-01-200x125.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"774\" data-id=\"1573\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-02.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1573\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-02.jpg 1200w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-02-300x194.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-02-1024x660.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-02-768x495.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><sup><mark style=\"background-color:#ffffff\" class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Abb. 1 (links) Mikroregion Pergamon. Fels- oder Naturheiligt\u00fcmer und das Meter Kybele Heiligtum in Mamurt Kale<br>Abb. 2 (rechts) Umlandsurvey 2022. Lage der neuen Felsheiligt\u00fcmer und anderen Fundstellen<\/mark><\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund waren wir sehr gespannt, ob der diesj\u00e4hrige Survey, der erstmals in die Landschaft bis etwa f\u00fcnf Kilometer nord\u00f6stlich von Pergamon hinein ausgedehnt wurde (Abb. 2), weitere Naturheiligt\u00fcmer und Hinweise auf den Kult der Meter erbringen w\u00fcrde. Unsere diesbez\u00fcglichen Erwartungen wurden nicht entt\u00e4uscht: Im unteren Tal des Kestel \u00c7ay\u0131 (Ketios) fiel eine besonders prominente Felsformation ins Auge (Abb. 3), von der aus man einen guten Blick \u00fcber das gesamte Tal hat und die zugleich eine markante Landmarke darstellt (Abb. 4). Hoch oben in der Formation entdeckten wir eine Nische, in deren Boden zwei D\u00fcbell\u00f6cher eingearbeitet sind, die am ehesten der Befestigung eines Bildwerkes mit langrechteckigem Querschnitt dienten (Abb. 5). Eine GIS-basierte Sichtbarkeitsanalyse, in der erkennbar wird, welche Bereiche von der Nische aus sichtbar waren (Abb. 6), unterstreicht die prominente Position der Nische in Bezug auf den Unterlauf des Ketios, wo sich neben einer befestigten Siedlung klassischer Zeit auf dem \u00c7oban Tepe auch mehrere hellenistisch-r\u00f6mische Geh\u00f6fte und Weiler befanden. Zugleich wird deutlich, dass der in sich abgeschlossene Charakter der Siedlungskammer auch dem Sichtfeld der Nische enge Grenzen setzte.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"799\" data-id=\"1574\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-03.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1574\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-03.jpg 1200w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-03-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-03-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-03-768x511.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" data-id=\"1575\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-04.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1575\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-04.jpg 1200w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-04-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-04-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-04-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><sup><mark style=\"background-color:#ffffff\" class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Abb. 3 (links) Ketios-Tal. Felsformation mit einer Felsnische<br>Abb. 4 (rechts) Ketios-Tal. Ausblick von der Nische in das Flusstal und nach Pergamon<\/mark><\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-3 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img decoding=\"async\" data-id=\"1576\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-05-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1576\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img decoding=\"async\" data-id=\"1577\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-06.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1577\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><sup><mark style=\"background-color:#ffffff\" class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Abb. 5 (links) Ketios-Tal. Nische mit D\u00fcbell\u00f6chern<br>Abb. 6 (rechts) Ketios-Tal. Viewshed der Nische. Rot markierte Bereiche sind von der Nische aus sichtbar<\/mark><\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Da sich auf der Felsoberfl\u00e4che im Umfeld der Nische kein Fundmaterial ansammeln konnte, lassen sich die Zuschreibung der Nische an eine bestimmte Gottheit ebenso wenig wie ihre Datierung unmittelbar erschlie\u00dfen. Am Fu\u00dfe des Felsens befindet sich eine Quelle, die auch heute noch sch\u00fcttet. Die Kombination aus prominenter Felsformation, Quelle und Nische f\u00fcr ein Bildwerk mit langrechteckigem Querschnitt (Figur auf Thron oder in Naiskos?) entspricht jedenfalls ganz dem Bild, das wir bislang vom Aussehen der Schreine der Meter in der Mikroregion Pergamon gewonnen haben.<\/p>\n<p>Eine zweite Anlage wurde erst in den letzten Tagen des Surveys am Osthang des langgestreckten H\u00fcgels Uzun Bay\u0131r entdeckt, der zusammen mit dem gegen\u00fcber liegenden Ta\u015f Tepe den schmalen Zugang in eine ausgedehnte fruchtbare Hochebene nord\u00f6stlich von Pergamon bildete (Abb. 2). Beide H\u00fcgel wurden in der Antike in gro\u00dfem Stil als Steinbr\u00fcche ausgebeutet und m\u00fcssen bei der Versorgung Pergamons mit dem vulkanischen Andesit eine Schl\u00fcsselrolle gespielt haben. Die Kultstelle wurde in einer \u00e4u\u00dferst auff\u00e4lligen, spitz zulaufenden Felsformation eingerichtet, die schon von weither ins Auge f\u00e4llt (Abb. 7). An ihrem Fu\u00df entspringt wiederum eine Quelle, die erst in j\u00fcngster Vergangenheit neu gefasst wurde. Dabei legte man eine neue Terrasse an, wobei das hier gegebenenfalls vorhandene Fundmaterial verlagert oder \u00fcberdeckt wurde und damit f\u00fcr uns unzug\u00e4nglich ist. Indizien f\u00fcr eine Nutzung als Heiligtum sind wiederum eine Felsnische (Abb. 8) sowie eine gr\u00f6\u00dfere Abarbeitung des Felsens im Bereich der Quelle: Boden und Felswand sind gegl\u00e4ttet worden und heben sich damit markant gegen die naturbelassene Felswand ab. An der Wand wird die gegl\u00e4ttete Fl\u00e4che von zwei rechteckigen Nischen bzw. Aussparungen f\u00fcr die Anbringung kleiner Bildtafeln oder Reliefs gerahmt (Abb. 9). Die k\u00fcnstlichen Modifikationen des Felsens erinnern wiederum ganz unmittelbar an sicher identifizierte Felsheiligt\u00fcmer in der Mikroregion Pergamon und bilden damit die Grundlage f\u00fcr die Deutung auch dieses Platzes als einfaches l\u00e4ndliches Heiligtum der Meter.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" data-id=\"1578\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-07.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1578\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-07.jpg 1200w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-07-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-07-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-07-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" data-id=\"1579\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-08.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1579\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-08.jpg 1200w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-08-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-08-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-08-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><sup><mark style=\"background-color:#ffffff\" class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Abb. 7 (links) Uzun Bay\u0131r. Blick auf die Felsformation<br>Abb. 8 (rechts) Uzun Bay\u0131r. Felsnische<\/mark><\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-5 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" data-id=\"1602\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-09.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1602\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-09.jpg 1200w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-09-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-09-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-09-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" data-id=\"1603\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-10.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1603\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-10.jpg 1200w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-10-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-10-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-10-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><sup><mark style=\"background-color:#ffffff\" class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Abb. 9 (links) Uzun Bay\u0131r. Gegl\u00e4ttete Fl\u00e4chen mit Nischen<br>Abb. 10 (rechts) Uzun Bay\u0131r. Viewshed der Felsnischen. Rot markierte Bereiche sind von der Nische aus sichtbar<\/mark><\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p>Die Sichtbarkeitsanalyse der Anlage am Osthang des Uzun Bay\u0131r (Abb. 10) macht deutlich, wie dank der spezifischen topographischen Situation ein weitaus ausgedehnteres Sichtfeld erzielt wurde, das nun auch das Meter Heiligtum von Mamurt Kale und den \u0130lyas Tepe \u00f6stlich des Stadtbergs von Pergamon umfasst, auf dem sich eine weiteres Felsheiligtum befand. Damit ist der Kultplatz am Hang des Uzun Bay\u0131r sowohl in seiner Orientierung auf Mamurt Kale als auch hinsichtlich einzelner Sichtbeziehungen vollst\u00e4ndig in das visuelle Netzwerk zwischen den verschiedenen Meter- und Naturheiligt\u00fcmern integriert, das wir bislang f\u00fcr die westliche H\u00e4lfte der unteren Ebene des Kaikos rekonstruieren konnten (Abb. 11). Das Heiligtum am \u00f6stlichen Rand des unteren Ketios Tals wirkt im Kontext des Netzwerkes hingegen wie isoliert.<\/p>\n<p>Daraus lassen sich folgende, noch hypothetische Schlussfolgerungen ableiten, die in den kommenden Jahren verifiziert werden m\u00fcssten: Die visuelle Region Pergamon erstreckte sich bis in die \u00f6stliche untere Ebene des Kaikos, auch wenn die optische Wirkmacht der Metropole, deren Stadtprospekt ganz nach S\u00fcdwesten orientiert war (Abb. 12), hier weniger dominant gewesen sein d\u00fcrfte. F\u00fcr die Anlage der Felsheiligt\u00fcmer waren in erster Linie der Bezug zur \u00f6rtlichen Topographie und die Abdeckung eines lokalen Sicht- bzw. Sichtbarkeitsfeldes von Bedeutung. Dies gilt mit Sicherheit f\u00fcr den Schrein im unteren Tal des Ketios, aber auch der Kultplatz am Osthang des Uzun Bay\u0131r bezieht sich in erster Linie auf die fruchtbare Hochebene nord\u00f6stlich von Pergamon (Abb. 13). Damit wird unser bisheriges Bild von den Felsheiligt\u00fcmern als lokalen religi\u00f6sen Manifestationen in der Interaktion von Mensch und Naturraum best\u00e4tigt. Die Einbindung des Kultplatzes am Uzun Bay\u0131r in das Netzwerk der Natur- und Meterheiligt\u00fcmer und damit auch in die visuelle Region Pergamon er\u00f6ffnete den Besucherinnen und Besuchern des Heiligtums dar\u00fcber hinaus zahlreiche weitere Optionen der Wahrnehmung und Deutung, die hier nicht im Einzelnen er\u00f6rtert werden k\u00f6nnen. &nbsp;Der Bezug nach Pergamon spielte in diesem Zusammenhang auf verschiedenen Ebenen eine Rolle, unter anderem&nbsp; durch die besondere F\u00f6rderung des regionalen Meter-Kultes durch die Attaliden. Bedenkt man, dass die Hochebene \u00f6stlich des Uzun Bay\u0131r nicht nur f\u00fcr die Versorgung Pergamons mit landwirtschaftlichen Produkten von Bedeutung gewesen sein d\u00fcrfte, sondern von dort auch ein gro\u00dfer Teil des in der Metropole verwendeten Steinmaterials kam, wird besonders verst\u00e4ndlich, warum man eine so wichtige Landschaft unter dem segensreichen Blick der Gro\u00dfen Mutter (Meter) wissen wollte.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-2 is-cropped wp-block-gallery-6 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" data-id=\"1608\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-11-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1608\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-11-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-11-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-11-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-11.jpg 1064w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" data-id=\"1584\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-13.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1584\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-13.jpg 1200w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-13-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-13-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-13-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"514\" data-id=\"1583\" src=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-12.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1583\" srcset=\"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-12.jpg 1200w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-12-300x129.jpg 300w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-12-1024x439.jpg 1024w, https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-content\/uploads\/sites\/10\/2022\/10\/22_Blog_RCS_Abb-12-768x329.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><sup><mark style=\"background-color:#ffffff\" class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Abb. 11 (oben links) Mikroregion Pergamon. Sichtbarkeitsnetzwerk der inner- und au\u00dferst\u00e4dtischen Heiligt\u00fcmer<br>Abb. 12 (unten) Pergamon. Rekonstruktion des Stadtprospekts von Pergamon von S\u00fcdosten<br>Abb. 13 (oben rechts) Uzun Bay\u0131r. Blick vom Felsheiligtum in die Ebene<\/mark><\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p><\/p>\n<hr>\n<p>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/p>\n<p>Ate\u015f, G., \u201ePergamon\u00b4da Do\u011fa ve K\u00fclt: Ana Tanr\u0131\u00e7a \u0130nanc\u0131 ve Do\u011fal Kutsal Alanlar. Nature and Cult in Pergamon: Meter Worship and Natural Sanctuaries,\u201c in <em>Pergamon. Anadolu\u00b4da Hellenistik bir Ba\u015fkanet. A Hellenistic Capital in Anatolia<\/em>, edited by F. Pirson and A. Scholl, pp. 422-435. Istanbul: Yap\u0131 Kredi Yay\u0131nlar\u0131<\/p>\n<p>Pirson, F., 2017 \u201eDie Siedlungsgeschichte Pergamons \u2013 \u00dcberblick und kritische Revison. Mit einem Appendix von Anneke Keweloh-Kaletta,\u201c Istanbuler Mitteilungen 67: 43-130 (in particular pp. 61-62. 92-95)<\/p>\n<p>Pirson, F. and Ate\u015f G., \u201cWasser als (nat\u00fcrliches?) Element in den Naturheiligt\u00fcmern am Stadtberg von Pergamon,\u201d in <em>Natur und Kult in Anatolien<\/em>, edited by B. Engels, S. Huy., and Ch. Steitler, pp. 59-90. Istanbul: Ege Yay\u0131nlar\u0131.<\/p>\n<p>Pirson, F. and Ate\u015f, \u201cMeter in the Pergamon Micro-region: Formation, Functions, and Transformation\u201d, in N. Lovejoy, L. D\u00b4Alfonso, et al. (eds.) <em>Phrygia between East and West<\/em>. Ancient Near Eastern Studies (in print)<\/p>\n<p>Pirson, F. and Ludwig, B., \u201cTumuli and Natural Sanctuaries: Visual Aspects of Urban Space- and Landscape-Interaction in Hellenistic Pergamon and its Micro-region,\u201d in <em>Sacred Lands, Connecting Routes. Religious Topographies in the Graeco-Roman World,<\/em> edited by C. G. Williamson. Leiden: Brill (in print)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Antike war das Verh\u00e4ltnis der Menschen zur Natur stark von der Religion gepr\u00e4gt. Naturph\u00e4nomene wie Blitz und Donner, aber auch die Morgenr\u00f6te oder das Reifen der Feldfr\u00fcchte wurden mit dem Wirken g\u00f6ttlicher M\u00e4chte in Verbindung gebracht. An sie wandte man sich mit der Bitte um Segen oder den Schutz vor Unheil durch die als allm\u00e4chtig empfundenen Naturkr\u00e4fte.<\/p>\n","protected":false},"author":72,"featured_media":1615,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15,1],"tags":[40,25,39],"class_list":["post-1586","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-archaologie-eng","category-projekt-eng","tag-dfg","tag-pergamon","tag-transpergmikro"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1586"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-json\/wp\/v2\/users\/72"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1586"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1586\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1649,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1586\/revisions\/1649"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1615"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1586"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1586"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dainst.blog\/transpergmikro\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1586"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}