COVID-19 und die Feldforschungen der RGK

von Roman Schulz

Ein Arbeitsschwerpunkt der Römisch-Germanischen Kommission ist die Umsetzung von Grabungs- und Prospektionsprojekten. Dabei unterstĂŒtzt das dafĂŒr zustĂ€ndige Referat fĂŒr Prospektions- und Grabungsmethodik (Ref. PGM) die Projektleiter des DAI und die Forschungspartner im Ausland (siehe auch: https://www.dainst.blog/crossing-borders/2019/05/29/die-technische-abteilung-der-rgk-stellt-sich-vor/). Der technische Forstschritt macht auch nicht vor der ArchĂ€ologie halt. So sind wir stĂ€ndig mit der Weiterentwicklung und Verbesserung unserer Methoden und Systeme beschĂ€ftigt. Dabei haben wir die Zeit der Pandemie gut genutzt.

 

Hippokamp - Logo des Vereines [Attribution: Kirstine Ruppel; Copyright: RGK]

Durch die COVID-19 Krise mussten seit MĂ€rz 2020 viele Feldforschungen im Ausland verschoben oder abgesagt werden, obwohl auch Arbeiten in Ungarn, RumĂ€nien, Schweden und der Tschechischen Republik stattfinden konnten. Neu fĂŒr die Mitarbeiter*innen des Referats war die viele Zeit im Homeoffice und in der RGK. Hier haben wir unter anderem unsere Magnetiksysteme vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitet und umgerĂŒstet. Ziel war es, ein modulares TrĂ€gersystem fĂŒr die Messsonden zu bauen, das an die Anforderungen im GelĂ€nde bestmöglich angepasst ist. So sollen die GerĂ€tetrĂ€ger schnell und einfach erweitert oder bei Engstellen auch verkleinert werden können. DarĂŒber hinaus ist damit nun auch der sichere Transport von Fundplatz zu Fundplatz ĂŒber Wiesen, Wege und öffentliche Straßen ohne eine Demontage möglich. Nach Abschluss der UmrĂŒstungen kann die RGK jetzt mit einem 16-SondengerĂ€t und einem 7-SondengerĂ€t zeitgleich an unterschiedlichen FundplĂ€tzen arbeiten. Eine weitere Neuerung ist der Einsatz von Emlid RTK-GPS Systemen, um die Messungen in Echtzeit dreidimensional zu verorten. Diese GerĂ€te sind in der Anschaffung um ein vielfaches gĂŒnstiger als die bislang verwendeten GPS-GerĂ€te. Ein besonderer Vorteil ist, dass mit einer Basisstation unbegrenzt viele GPS-Rover in einem Umkreis von 2-10 km genutzt werden können. Dies senkt die tĂ€gliche Vorbereitungszeit und erhöht die FlexibilitĂ€t der Teams im Feld.

 

Abb. 1: Das 16-SondengerĂ€t ist bereit fĂŒr die Fahrt zum nĂ€chsten Fundplatz. Ein AnhĂ€nger mit Straßenzulassung ermöglicht den Transport ohne den Abbau des Systems ĂŒber alle Straßen und Wege und spart somit viel Zeit bei den ProspektionseinsĂ€tzen [Attribution: R. Scholz; Copyright: RGK]

Neben der TechnikaufrĂŒstung betreibt das Ref. PGM auch ExperimentalarchĂ€ologie. So versuchen wir z. B. anhand des Befundes eines ausgegrabenen Töpferofens aus der Kupferzeit, Aufbau und Funktionsweise eines solchen Ofens zu analysieren. Hierzu wurde zunĂ€chst eine digitale Rekonstruktion angefertigt. Im Anschluss wurde dieser dann aus Lehm, Heu und Haselruten gebaut. Mittels mehrerer Brennversuche wurden dann  FunktionalitĂ€t, Holzverbrauch, notwendige Arbeitszeit und viele weitere Fakten ermittelt. Weitere Informationen sind unter diesem Link zu finden: https://www.dainst.blog/crossing-borders/2019/07/16/rekonstruktion-eines-toepferofens-der-tripolje-kultur/


Zudem standen und stehen auch Übungen und TesteinsĂ€tze mit dem UAV-Bestand (umgangsprachlich auch als Drohnen bezeichnet) auf dem Plan. So konnten schöne und fĂŒr die Forschung nĂŒtzliche Aufnahmen bekannter FundplĂ€tze gemacht werden. Das Referat fĂŒr Prospektions- und Grabungsmethodik möchte mit den UAVs jedoch nicht nur ansprechende und öffentlichkeitswirksame Fotos von FundplĂ€tzen, wie sie z. B. in der Publikation „Spuren des Menschen“ abgedruckt wurden,  aufnehmen. Um differenziertere Geodaten fĂŒr die wissenschaftliche Auswertung von Siedlungslandschaften zu generieren, wurde die Sensorik erweitert. So verfĂŒgen wir jetzt ĂŒber die FĂ€higkeit, Thermalbilder aus der Luft zu erheben. Somit lassen sich unter gewissen UmstĂ€nden Mauerreste im Boden aufspĂŒren. ZusĂ€tzlich soll eine neue Drohne mit einem Multispektralsensor Abweichungen im Pflanzenwuchs festhalten und so Hinweise auf archĂ€ologische Strukturen im Boden liefern. Abgerundet wird die Anschaffungsliste durch eine Drohne mit LIDAR-Sensor zur Erfassung der GelĂ€ndeoberflĂ€che, selbst bei dichtem Bewuchs.

 

Abb. 2: Arkona bei Morgenlicht. Im Streiflicht ist der Rest des Walls der „Tempelburg“ ganz an der Nordspitze RĂŒgens zu erkennen. Dieses Bild wurde im Rahmen von TestflĂŒgen ĂŒber der Ostsee aufgenommen. [Attribution: Roman Scholz; Copyright: RGK]

Wir hoffen, dass die Arbeiten im GelÀnde 2021 bald wieder beginnen können. Bis dahin arbeiten wir weiter an der Optimierung der Werkzeuge und Methoden von morgen.