Bronzezeitliche Almen, Klimaveränderungen und Umweltarchive auf dem Dachsteinplateau

Autor:innen:  Kerstin Kowarik, Kerstin P. Hofmann, Daniel Brandner, Valentina Laaha, Roman Scholz

In dem interdisziplinären Projekt „Alpine Interdependenzen“ erkunden Forscherinnen und Forscher der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts und des Österreichischen Archäologischen Instituts an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die Anfänge der Hochweidenutzung auf dem Dachsteinplateau und die Auswirkungen des Klimawandels auf prähistorische alpine Gesellschaften.

Das Dachsteinmassiv ist nicht nur ein Raum von besonderer und fragiler Schönheit, sondern stellt auch eine über Jahrtausende gewachsene Kulturlandschaft dar. Mensch und Ökosystem stehen hier seit langer Zeit in enger und vielfältiger Wechselbeziehung.

Urweiden, alpine Archäologie und offene Fragen

Über 30 Fundstellen mit Hüttenresten bzw. Kulturschichten, die in die Bronzezeit datieren, wurden über die letzten Jahrzehnte durch die Forschungen des Vereins ANISA (Verein für Alpine Forschung rock art and settlement in the Alps – Austria) entdeckt und dokumentiert. Hierdurch zeigt sich, dass die Urweiden des Dachsteinplateaus – natürliche baumfreie Grasflächen in den Karstmulden des Plateaus –als wichtige Ressource in der bronzezeitlichen Landschaftsnutzung wahrgenommen wurden. Aus diesem Befund ergeben sich zahlreiche neue Fragen: Wann begann die Hochweidenutzung, in der Bronzezeit oder bereits früher? Wie intensiv wurde in der Bronzezeit Hochweide auf dem Plateau betrieben und welchen Einfluss hatte das auf die Herausbildung der uns heute bekannten Landschaft? Brach die Nutzung in der älteren Eisenzeit ab und waren hierfür klimatische Veränderungen ausschlaggebend? Wann wurde die Nutzung wieder aufgenommen? Wie unterscheiden sich die prähistorischen von römischen und späteren Mensch-Umwelt-Interaktionen?

Das Dachsteinplateau mit der Grafenbergalm (Foto: Roman Scholz, RGK)
Die Grafenbergalm auf dem Dachsteinplateau (Foto: Daniel Brandner, ANISA)
Für die Untersuchungen müssen alle Geräte und Lebensmittel auf die Grafenbergalm getragen werden (Foto: Daniel Brandner, ANISA).

Neue Forschungen

Diese Fragestellungen können in idealer Form in der Kleinregion der Grafenbergalm untersucht werden. Dort finden sich mehrere bereits bekannte Fundstellen aus der Bronzezeit und der Römischen Kaiserzeit. Das großräumige Almgebiet weist viele bisher noch nicht detailliert untersuchte Verdachtsflächen auf. Darüber hinaus finden sich auf der Grafenbergalm und im angrenzenden Gebiet wichtige Umweltarchive wie Seen und Moore, die eine wichtige Grundlage für die Erforschung des menschlichen Einflusses auf das Ökosystem des Dachsteins über die letzten Jahrtausende darstellen (https://www.dainst.blog/groundcheck/saltscape-hallstatt/).

Die Forschungsarbeiten der aktuellen Kampagne zielten darauf ab, die Nutzungsintensität und Besiedlungsgeschichte dieses Kleinraums zu erfassen. Die Almflächen wurden mittels geophysikalischer Methoden und mit Hilfe von Bodenproben untersucht, um detaillierte Einblicke in die bereits bekannten Flächen zu erhalten und zudem neue prähistorische Aktivitätszonen zu finden und genau bestimmen zu können.

Mit dem Magnetometer wurden die Flächen systematisch begangen und die in der Magnetik feststellbaren Anomalien in dichten Rastern beprobt. Die gezogenen Bodenproben werden in Kooperation mit Deutschen Archäologischen Institut und der Universität Wien ausgewertet. Diese Analysen sollen die Herausbildung der Almböden nachvollziehbar machen und stellen einen wichtigen Schlüssel zur Rekonstruktion der menschlichen Aktivitäten über die letzten Jahrtausende dar. Diese Forschungen sind auch für gegenwartsrelevante Problemstellungen von Bedeutung, da sie Einblicke vermitteln, wie Jahrtausende lange intensive Nutzung möglich ist, ohne das Ökosystem zum Kippen zu bringen. Dies zeigen auch die langjährigen Forschungen des Naturhistorischen Museums Wien rund um Hallstatt, bei denen u.a. deutlich wurde, dass über mehr als 3000 Jahre nachhaltige Forstwirtschaft trotz hohen Ressourcendrucks betrieben wurde.

Magnetische Messungen auf der Grafenbergalm (Foto: Daniel Brandner, ANISA).

Projektstruktur, Förderer:innen, Unterstützer:innen

Projektleitung: Kerstin Hofmann (RKG-DAI) und Kerstin Kowarik (ÖAI-ÖAW), geomagnetische Messung und Auswertung Roman Scholz (RGK-DAI), Bodenprobenentnahme (Valentina Laaha, Daniel Brandner), Auswertung Bodenproben Valentina Laaha (RGK-DAI) im Rahmen einer Masterarbeit am Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie (Betreuung: Michael Doneus), Vorbereitung alpine Feldkampagne (Daniel Brander, ANISA).

Gefördert werden diese Forschungen durch die Römisch-Germanische Kommission des Deutsche Archäologischen Instituts (Forschungsplanprojekt „Eisenzeitliche Großsiedlungen“ und Groundcheck-Projekt „Saltscape Hallstatt“), die Österreichische Akademie der Wissenschaften, das Naturhistorische Museum Wien, die ANISA und die Universität Innsbruck. Unterstützung erfährt das Projekt auch durch die Agrargemeinschaft Grafenbergalm, die Agrargemeinschaft Weißenbach sowie die Österreichischen Bundesforste.

Magnetische Messungen auf der Grafenbergalm (Foto: Roman Scholz, RGK)
Durchführung der Bohrungen (Foto: Roman Scholz, RGK).
Vorbereitende Vermessungen für Bohrungen zur Gewinnung von Bodenproben (Foto: Roman Scholz, RGK).
Bodenprobe-Entnahme im Feld (Foto: Daniel Brandner, ANISA).
Dokumentation eines Bohrkerns (Foto: Roman Scholz, RGK).
Erste Zusammenstellung und Analyse der im Feld gewonnenen Daten auf der Almhütte (Foto: Daniel Brandner, ANISA).