Die Pest im mittelalterlichen Istanbul

Unsere Abteilung Istanbul setzt ihre Serie der Monatsbilder mit einer Fotografie fort, die uns an ein historisches Ereignis erinnert: Die Pest!☠️

Die immer wiederkehrenden Pestausbrüche ab 1348 veränderten das tägliche Leben Konstantinopels heftig. Genauso wie es heute das Coronavirus macht.

Schiffe im Hafen von Eminönü mit Galata, um 1880 (G. Berggren). Fotoarchiv, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Istanbul

Die Reisebeschreibungen des spanischen Adligen Pero Tafurs gehören zu den wichtigsten Quellen des spätbyzantinischen Konstantinopel und geben Einblick in die Zeit der Pest. So waren im Jahr 1437 sowohl der Hafen Peras als auch die gegenüberliegenden Häfen Konstantinopels für sämtliche vom Schwarzen Meer kommenden Schiffe geschlossen. Gemäß den damals eingeführten Bestimmungen, hatten die Schiffe ihre Ladung in einem provisorischen Hafen weiter nördlich zu löschen und die Seeleute mussten sich in eine 60-tägige Quarantäne begeben, wollten sie die Stadt betreten.
Aber Tafur und seine Leute griffen zu einer List: Anstatt mit den anderen Seeleuten die lange Zeit abzusitzen, verbrachte er nur zwei Tage in den Feldern außerhalb der Satdt. Als er dann in die Stadt zog, wurde Tafur mit einem Prachtschiff zum Palast gebracht. In seiner Reisebeschreibung berichtet er, dass er gemeinsam mit dem Despoten Dragas (Konstantin XI.) und der Regentin in der Hagia Sophia die heiligen Reliquien betrachtete. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Tafur Umgang mit den Höchsten des Reiches pflegte und die strengen Pestbestimmungen mit dem Wissen des Hofes brach.

Die lang vergangene Anekdote erinnert uns daran, dass auch die Zeit, in der wir alle Corona-bedingt in unseren Häusern ausharren müssen, enden wird. Die Lebendigkeit und das Gedränge auf dem Bild versprechen uns die Rückkehr des Lebens, wie wir es kannten. ðŸ›¶â›µï¸ðŸ‘¥

Im Gegensatz zu Tafurs Verhalten, hoffen wir, dass die aktuellen Regeln zum Schutz der Allgemeinheit von allen beachtet werden!😷

Bibliographie: Tafur, P. Travels and Adventures 1435-1439, S. 138-143