Ein Meilenstein fĂŒr den Kulturerhalt

Konservierung der Roten Halle in Pergamon abgeschlossen

Restaurierungsarbeiten am sĂŒdlichen Rundturm 2008 (Foto: M. Bachmann, DAI Istanbul)

Die Altstadt Bergamas – die Nachfolgesiedlung des antiken Pergamons nahe der tĂŒrkischen ÄgĂ€iskĂŒnste – wird bis heute von einem antiken Großbau dominiert, den der römische Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.) zur Verehrung Ă€gyptischer und einheimischer Gottheiten errichten ließ. Die gewaltige Basilika ist aus gebrannten Ziegeln erbaut, denen sie ihren modernen Namen Kızıl Avlu („Rote Halle“) verdankt. Flankiert von zwei RundtĂŒrmen öffnete sie sich auf eine riesige Platzanlage, fĂŒr deren Errichtung ein Fluss auf einer LĂ€nge von ĂŒber 200 m kanalisiert wurde. Damit zĂ€hlt die Rote Halle zu den monumentalsten Bauvorhaben, die römische Kaiser außerhalb der Kapitale in Auftrag gaben.

Am 3. Oktober 2020 wurde ein umfangreiches Projekt zur Konservierung des Baukomplexes abgeschlossen, das sich zum Ziel gesetzt hatte, Baudenkmalpflege und touristische PrĂ€sentation zu verbinden. Nachdem die wissenschaftliche Erforschung des Heiligtums durch die Pergamongrabung des Deutschen ArchĂ€ologischen Instituts im Jahr 2005 beendet worden war, wurde bereits im darauffolgenden Jahr mit den Konservierungsarbeiten begonnen. In insgesamt 14 Arbeitskampagnen von jeweils zweimonatiger Dauer wurde zunĂ€chst der sĂŒdliche Rundturm konserviert und museal gestaltet (Abb. 1. 2), ein monumentales Götterbildnis in OriginalgrĂ¶ĂŸe rekonstruiert (Abb. 3), das Kellergeschoß der Anlage gesichert und als Depot fĂŒr archĂ€ologisches Fundmaterial hergerichtet (Abb. 4) und schließlich die ĂŒber 16 m hohe SĂŒdwand des Heiligtums wiederhergestellt (Abb. 5). Bereits in antiker Zeit hatte man diese gewaltige Mauer mit zwei StĂŒtzpfeilern gesichert, die jetzt ihrerseits einzustĂŒrzen drohten. Dort konnten Ende September die letzten rekonstruierten Bogensteine versetzt werden (Abb. 6). Parallel zu den Arbeiten des DAI wurden die Basilika selbst und der nördliche Rundbau vom tĂŒrkischen Ministerium fĂŒr Kultur und Tourismus restauriert.

Das langjĂ€hrige Projekt kann als Musterbeispiel deutsch-tĂŒrkischer Kooperation gelten. Neben Sponsoren wie der Studiosus Foundation e.V. ist sein Erfolg vor allem den leitenden Architekten Martin Bachmann (1964-2016) zu verdanken, der auch an der Konzeption der Arbeiten des Ministeriums mitgewirkt hat. Nach seinem viel zu frĂŒhen Tod ĂŒbernahm seine Mitarbeiterin Secil Tezer-Altay die Leitung der Arbeiten fĂŒr das DAI. Mit der Konservierung der Roten Halle wird nicht nur ein wichtiger Beitrag zur touristischen Aufwertung der UNESCO-WelterbestĂ€tte Bergama-Pergamon geleistet. Die langjĂ€hrige Baustelle war im Sinne einer BauhĂŒtte zugleich AusbildungsstĂ€tte fĂŒr mehrere ungelernte Arbeiter, die mit UnterstĂŒtzung der Gerda-Henkel Stiftung zu Steinmetzen ausgebildet wurden. Ihr Lehrer Selim Baskın hatte selbst vor ĂŒber vierzig Jahren sein Können auf einer Restaurierungsbaustelle des DAI erworben. Auf diese Weise werden nachhaltige Kompetenzen fĂŒr die Sicherung des Kulturerbes durch kĂŒnftige Generationen geschaffen und zugleich die beruflichen Chancen der Auszubildenden verbessert. Die Kombination von Kulturerhalt mit sozialen Zielsetzungen ist ein besonders tragfĂ€higes Modell fĂŒr die Zukunft von WelterbestĂ€tten wie Pergamon und wird vom DAI weltweit verfolgt.

Weitere Informationen zu den DAI-Projekten in Pergamon: https://www.dainst.org/project/14186