Einrichtung fĂŒr die Ewigkeit

Ein Beitrag von Elisa Beck, entstanden im Rahmen des Fernpraktikums zur Öffentlichkeitsarbeit des DAI im Mai/Juni 2020

In Luxor steht ein Team des DAI Kairo vor einer Puzzle-Aufgabe. Über verschiedene Grabungsareale der Nekropole Dra‘ Abu el-Naga, die zur berĂŒhmten thebanischen Nekropole auf dem Westufer von Luxor gehört, wurden weitlĂ€ufig zerstreut zahlreiche Fragmente von MöbelstĂŒcken gefunden. Seit 2014 werden diese zugeordnet und rekonstruiert.

Als dieser Tisch zur Zeit der 13. Dynastie (1784 – 1668 v.Chr.) hergestellt wurde, hat wohl kein Handwerker damit gerechnet, dass sein Werk tausende Jahre spĂ€ter in Einzelteilen gefunden und untersucht werden wĂŒrde. In mĂŒhevoller Kleinarbeit konnte das MöbelstĂŒck nun aus 21 Fragmenten restauriert werden und hĂ€lt spannende Erkenntnisse bereit. So können die Forscherinnen und Forscher daran vieles ĂŒber antike Fertigungsmethoden sowie Reparaturen und mögliche Nutzung ablesen.

Ein nahezu komplett erhaltener Tisch aus einer Schachtgrabanlage der 13. Dynastie. (Foto: P. Windszus)

Die GrĂ€ber der Nekropole waren prunkvoll ausgestattet. So mag es verwundern, dass gerade unser Tisch kaum stabil genug fĂŒr den tĂ€glichen Gebrauch war. Wir sind hier jedoch keineswegs einem antiken Fall von NachlĂ€ssigkeit auf der Spur: Der Tisch war niemals fĂŒr das alltĂ€gliche Leben bestimmt, sondern wurde lediglich flĂŒchtig als Grabausstattung zusammengesetzt. Auf diese Weise konnten die Ă€gyptischen Handwerker die Einrichtung fĂŒr das ewige Leben im Jenseits innerhalb kĂŒrzester Zeit herstellen.

In der 2019 wieder aufgenommenen Grabung wurden nicht nur die Suche, sondern auch die Bearbeitung der Möbelfunde fortgesetzt. Momentan können 65 GegenstĂ€nde rekonstruiert werden, darunter ein Stuhl, eine KopfstĂŒtze und mehrere KanopenkĂ€sten. Das gestaltet sich nicht immer einfach: WĂ€hrend der besprochene Tisch eindeutig einer Schachtgrabanlage zugeordnet werden kann, wurden die Fragmente des Stuhls weitrĂ€umig ĂŒber mehrere Grabanlagen verstreut gefunden. Ein Grund dafĂŒr können frĂŒhere PlĂŒnderungen oder VerschĂŒttungen sein. Die archĂ€ologische Puzzle-Arbeit endet also nicht mit der vollstĂ€ndigen Zuordnung der Fragmente zu einem AusstattungsstĂŒck, sondern weitet sich auch auf den Kontext des Grabungsareals und die Verortung des Möbels aus.

KanopenkÀsten wie dieser enthielten die bei der Mumifizierung entnommenen Organe. (Foto: P. Windszus)

Weitere Informationen im aktuellen e-Forschungsbericht: 
https://publications.dainst.org/journals/index.php/efb/article/view/2314 
sowie allgemein zu den Projekten des DAI in Dra Abu el-Naga: 
https://www.dainst.org/projekt/-/project-display/45955