Luftbildarchäologische Untersuchungen in Südost-Ungarn

Anfang Dezember 2018 reiste ein Team der RGK gemeinsam mit Partnern der ungarischen Akademie der Wissenschaften in dem südöstlich der Theiß gelegenen Teil Ungarns, um dort an verschiedenen spätneolithischen Tellsiedlungen das neue Drohnensystem der technischen Abteilung zu erproben. Getestet wurde hierbei insbesondere ein multispektrales Sensorsystem, mit dem Vegetations- und Bodenmerkmale archäologischer Strukturen anhand ihrer spektralen Zusammensetzung identifiziert werden können. Die Feldforschungen dienen zudem als Vorbereitungen für einen Projektantrag.

 

 

Abb 1-2. Vorbereitungen des Drohnensystems am Fundplatz Öcsöd-Kováshalom. Zu Beginn einer jeden Befliegung wird das Flugsystem überprüft und ein Flugplan für die Luftbildaufnahmen erstellt. Dieser wird im Anschluss autonom durch die Drohne abgeflogen, während am Boden die Flugdaten überwacht werden (Foto: Pál Raczky).

 

 

Im Rahmen der viertägigen Kampagne wurden fünf unterschiedliche Fundplätze untersucht: Öcsöd-Kováshalom, Szegvár-Tűzköves, Tápé-Lebő, Hódmezővásárhely-Gorzsa und Hódmezővásárhely-Kökénydomb. Es handelt es sich um sogenannte Tellsiedlungen, Wohnhügel der späten Jungsteinzeit.

 

Die ausgewählten Fundplätze eignen sich besonders gut für die luftgestützte, multisensorische Beobachtung. Sie liegen in Gebieten, die großflächig landwirtschaftlich genutzt werden. Dies macht es möglich, archäologische Spuren anhand von Veränderungen in der Bewuchsdichte zu erkennen und so menschliche Siedlungstätigkeiten non-invasiv nachzuvollziehen.

 

Einige Stellen der Untersuchungsgebiete waren zum Zeitpunkt der Befliegungen im Dezember frisch gepflügt wurden, so dass keine Vegetation mehr vorhanden war. Sie wurden trotzdem beflogen, da Aufnahmen ohne Bewuchs als erste Phase einer mehrfachen Verwendung dieser Sensorik über einen längeren Zeitraum hinweg durchaus sinnvoll sind. So erweitert eine wiederholte Beobachtung einzelner Flächen zu verschiedenen Jahreszeiten und bei unterschiedlichen Bewuchssituationen das nichtinvasive Methodenspektrum. Die Kombination derartiger Aufnahmeserien mit darauf aufbauenden geophysikalischen Messmethoden ermöglicht einen tiefergehenden Einblick in die Siedlungsstruktur eines Fundplatzes und dessen Umfelds.

 

Abb. 3. Das Flugsystem landet nach Fertigstellung der Aufnahmen nach 20 Minuten automatisch wieder an seinem Abflugort. Das UAS ist als multifunktionaler Geräteträger konzipiert und kann Geräte oder Sensoren mit bis zu 3 kg Gewicht transportieren (Foto: Pál Raczky).

 

Ergänzend zu den durchgeführten Testflügen wurden zusätzliche Befliegungen mit einem weiteren UAV-System (unbemanntes Luftfahrzeug, umgangssprachlich oft auch als Drohne bezeichnet) der RGK vorgenommen, um hochauflösende topografische Geländedaten und orthografische Luftbilder zu generieren.  (Eszter Bánffy, Hajo Höhler-Brockmann)

 

Abb. 4. Hódmezővásárhely-Gorzsa – Normalized Difference Vegetation Index. Der NDVI-Index kennzeichnet die Vitalität des Pflanzenbewuchses und lässt somit Rückschlüsse auf archäologische Strukturen unter der Oberfläche zu (Abbildung: Hajo Höhler-Brockmann).

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