Die jungen Wissenschaftler*innen des SPP „Entangled Africa“

Die jungen Wissenschaftler*innen des SPP „Entangled Africa“

oben: Archäologie im home office © Foto: Tim Karberg.

Sie sind mit Routinearbeiten betraut oder arbeiten an ihren akademischen Abschlüssen, man findet sie in Labors, auf Ausgrabungen und in der Bibliothek: die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SPP „Entangled Africa“ sind essentieller Teil der Projekte. Das Programm bietet ihnen die Möglichkeit, Einblick in Methoden unterschiedlichster Wissenschaftsrichtungen zu bekommen, sich über Kontinente, Ausbildungsrichtungen und Ausbildungsstufen hinweg auszutauschen.

Die seit Beginn der Covid-Krise alltäglich gewordene virtuelle Vernetzung macht es möglich: Seit Oktober 2020 trifft man sich einmal im Monat, obwohl die Teilnehmer über die ganze Welt verteilt sind – Afrika, Europa, Südamerika. Die Treffen dienen dem Kennenlernen, dem Gespräch über die eigenen vielfältigen Wissenschaftsinteressen und dazu zwanglos Ergebnisse und Herausforderungen der wissenschaftlichen Arbeit zu diskutieren. Heute stellen wir zwei der jungen Wissenschaftler des SPP „Entangled Africa“ vor.

SPP Young Scientists Meeting 20.11.2020 © Screenshot: J. Sigl.
Mansour Mdawar kommt aus dem Libanon. Er ist studierter Agrartechniker und hat bisher in seiner Heimat und im Irak an Projekten zur landwirtschaftlichen Entwicklung gearbeitet. Nun schwenkt er um in die Wissenschaft. Anfang 2020 konnte er erstmals nach Deutschland kommen, um seine Arbeit als Doktorand des Projekts KlimZellMit unter der Leitung von Ingo Heinrich zu beginnen. Doch dann kam die Covid-Krise, die alle Arbeitspläne über den Haufen warf. Doch Mansour Mdawar fand schnell eine Möglichkeit die erzwungene laborfreie Zeit zu nutzen. Er kehrte in seine Heimat zurück, um systematisch Wacholderbäume zu beproben. Nach dem Lockdown zurück im Labor an der GFZ Potsdam wurden die Proben aufbereitet. Mit hochauflösender Scantechnik können die Zellstruktur und -größe sowie der Durchmesser der Baumringe untersucht werden. Die Daten geben Hinweise auf saisonale oder durch Klimaevents entstehende Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen, die nicht wie in Zentraleuropa durch Winter und Sommerunterschiede entstehen. Sie werden essentiell dafür sein, Wacholderholz, das ein wichtiges historisch genutztes Baumaterial in zum Beispiel Yeha, Äthiopien, ist, zeitlich einzuordnen.
M. Mdawar beprobt Wacholderbäume im Libanon © Foto: S. Karam.
Mikrostrukturanalyse der Zellen von Wacholderholz © Screenshot: J. Sigl.
Keramik steht im Fokus von Søren Feldborg Pedersens Arbeit. Als studierter Prähistoriker und klassischer Archäologe beschäftigt er sich seit seiner Masterarbeit an der Universität Kopenhagen mit dieser wichtigen Fundgattung jeglicher Ausgrabungsarbeit weltweit. Seit 2015 arbeitete er in archäologischen Projekten in Westafrika. Aktuell forscht er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand im Projekt Lehnwörter und Tauschobjekte (siehe auch SPP Film zum Projekt) unter der Leitung von Henning Schreiber (Universität Hamburg) und Nikolas Gestrich (Goethe-Universität Frankfurt). Søren Pedersens Aufgabe ist es, ein Netzwerkmodell für Töpfereiwaren des Niger-Tals aus der Zeit 500–1500 u.Z. zu entwickeln. In dieses Modell fließen nicht nur Fundorte und Formen ein, sondern auch Herstellungstechnik, Nutzungsart und schließlich sogar Bezeichnungen für Gefäße. Aufgeschlüsselt nach den aus Ausgrabungen gewonnenen Datierungen können sich über solche Modelle Hinweise auf die Verbreitung von Gefäßen oder Techniken und dem damit verbundenen Wortschatz nachvollziehen lassen. Es ist ein bisher noch wenig genutzter, mathematischer Beweisansatz für die Vernetzung von Bevölkerungsgruppen in historischer Zeit.
Netzwerkanalyseergebnisse zu Keramik aus Mali © Screenshot: J. Sigl.
S. Pedersen mit Projekt 09 in Mali, Februar 2020 © Filmaufnahme: E. Morgenthal.

Noch im Dezember findet das nächste Treffen der SPP Young Scientists statt. Danach stellen wir zwei weitere junge Wissenschaftler*innen des Programms vor. Bleiben Sie dran!

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