Projekt 10 – Inneres Kongobecken

Archaeology and Palaeoecology of the Inner Congo Basin (Wotzka, Hans-Peter)

Mittel- bis spÀtholozÀne Biotopgrenzen, Siedlungslimits und Verbindungskorridore

Projektbeschreibung

Wann und unter welchen Bedingungen begannen Nahrungsproduzenten erstmals auf breiter Front mit der Besiedlung der innertropischen RegenwĂ€lder? Ihr kulturelles Erbe und anhaltende Verflechtungen mit den HerkunftsrĂ€umen im weiteren tropischen Afrika prĂ€gten die Genese und spĂ€tere Intensivierungen ĂŒberregionaler sozialer, technologischer und ökologischer Interdependenzen von der FrĂŒheisenzeit ab ca. 400 v. Chr. bis zur europĂ€ischen Kolonialzeit nach AD 1850. Linguistische und genetische Studien an heutigen afrikanischen Bevölkerungen legen nahe, dass die Ă€quatoriale Regenwaldzone von weiten Teilgruppen einer grĂ¶ĂŸeren Ursprungsbevölkerung getragen wurden, die frĂŒhe Bantusprachen mitbrachten und mit der Landwirtschaft vertraut waren. Bislang ist die Regenwald-ArchĂ€ologie jedoch weit davon entfernt, auch nur die Hauptausbreitungswege, geschweige denn Details der Subsistenzsysteme und MobilitĂ€tsmuster dieser Pioniersiedler zu erkennen. Nicht minder unzureichend sind die wenigen verfĂŒgbaren palĂ€oökologischen DatensĂ€tze aus den tropischen RegenwĂ€ldern: Prozesse der Waldfragmentierung und -regeneration als Folge von Klimaschwankungen auf Millennium-Zeitskalen sind bisher ebenso schwer nĂ€her zu fassen wie Chronologie und IntensitĂ€t vom Menschen verursachter Störungen der Waldvegetation im mittleren und spĂ€ten HolozĂ€n. Mit Blick auf Besiedlungs- und Ökogrenzen sollen zwei Grundfragen zu jenen Prozessen bearbeitet werden, durch die das Innere Kongobecken Zentralafrikas in kulturelle und ökologische Wandelsprozesse der weiteren afrikanischen Tropen verwickelt wurde: 1. Wann entstanden und wo lagen die Grenzen zwischen den Kulturen der ersten sesshaften und nahrungsproduzierenden Immigranten?

Grafik: J. Sigl; Karte © M. Schmeling.

2. In welchem zeitlichen und kausalen VerhĂ€ltnis zur menschlichen Besiedlungsgeschichte stehen die erkennbaren Prozesse des holozĂ€nen Vegetationswandels? Beantragt werden Mittel fĂŒr die AusfĂŒhrung und Auswertung dreier jeweils achtwöchiger GelĂ€ndekampagnen in der Demokratischen Republik Kongo. Zwei Abschnitte des Kongostroms, der eine zwischen Mbandaka und Kinshasa, der andere zwischen Mbandaka und der Itimbiri-MĂŒndung, sollen im Rahmen archĂ€ologischer Surveys per motorisiertem Einbaum, kleinflĂ€chiger Ausgrabungen und Pollenbohrungen erforscht werden. Damit sind zugleich geographische LĂŒckenschlĂŒsse zwischen bisherigen Untersuchungsgebieten in der Äquatorzone einerseits und dem unteren Kongo (verschiedene belgische Unternehmungen) sowie dem oberen Kongobogen andererseits (Projekt des Königlichen Museums fĂŒr Zentralafrika, Tervuren, Belgien) angestrebt. Neue Daten zur Kultur-, Vegetations- und Klimageschichte sollen die Bedingungen, AblĂ€ufe und Wege sowie die bis heute anhaltenden Konsequenzen jener Prozesse erhellen, die das Innere Kongobecken bei aller Besonderheit und scheinbaren Isolation seit Beginn der Eisenzeit mit seiner unbewaldeten Nachbarschaft verknĂŒpft haben.

Projektmitglieder

Foto: privat.
Prof. Dr. Hans-Peter Wotzka
Antragssteller/Projektleiter

UniversitĂ€t zu Köln / Institut fĂŒr Ur- und FrĂŒhgeschichte / Forschungsstelle Afrika



Link:
https://ufg.phil-fak.uni-koeln.de/39886.html
Foto: J. Sigl.
Dr. Judicael Lebamba
Palynologe

UniversitĂ€t zu Köln / Institut fĂŒr Ur- und FrĂŒhgeschichte / Forschungsstelle Afrika

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