Forschungen im Rama Tal

Projekt 7: Routes of Interaction – „Forschungen im Rama Tal“

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt hat zum Ziel, innerafrikanische Kontakte zwischen dem nördlichen Horn von Afrika, dem Mittleren Nil, dem nordostsudanesischen Gash-Delta sowie Teilen Ägyptens zu untersuchen. Das im äthiopisch-eritreischen Grenzgebiet gelegene Rama-Tal steht im Fokus der Fragestellung, da es das Potenzial eines überregionalen Kontaktkorridors zwischen dem äthiopischen Hochland und dem Gash-Delta besitzt.

Im Herbst 2019 wurden die Feldarbeiten im Rama-Tal fortgesetzt, die Forschungen konzentrierten sich auf archäologisch-geographische Surveys und eine Testsondage. Der Fundplatz S40 liegt westlich der Stadt Rama auf einem ca. 50 x 50 m großen, teils landwirtschaftlich genutzten Plateau (Fig. 1). Zahlreiche Keramikfunde von Rand- und Wandscherben mit Ritz- und Impressionsdekor, die während des Surveys 2018 an der Oberfläche gefunden wurden, lassen auf Verbindungen ins Sudanesische Tiefland schließen, wo diese Dekortypen zwischen dem 4. und 1. vorchristlichen Jahrtausend auftreten.

Mittels einer 3 x 3 m großen und 1,70 m tiefen Sondage wurde diese Befundlage verfolgt. Die Sondage erbrachte unterschiedliche Boden- und Sedimentablagerungen, die in der gesamten ausgegrabenen Tiefe mit dekorierten und undekorierten Keramikscherben durchmischt waren; architektonische Strukturen fanden sich dagegen keine. Die Datierung der Scherben sowie die Auswertung von mikromorphologischen Proben aus den Profilen sind derzeit in Bearbeitung.

Der Survey wurde nach topografischen Aspekten und auf der Basis von Fernerkundungsdaten in unterschiedlichen Gebieten südlich der Stadt Rama fortgeführt und erbrachte über 100 neue Fundstellen unterschiedlicher Zeitstellung. Neben einigen Obsidianabschlägen und Fragmenten zweier tönerner Tierfigurinen (Fig. 2) fanden sich bei dem Survey Keramikscherben mit unterschiedlicher Funddichte. Der überwiegende Teil der Fundstellen wies nur sehr wenige Scherben auf. Bislang konnten nur sub-rezente Siedlungsreste nachgewiesen werden. Nach dem bisherigen Forschungsstand scheint das Rama Tal – wie noch in der heutigen Zeit – eher als Weide- und Ackerland denn als Siedlungsfläche genutzt worden zu sein.

Fig. 3 / © J. Hardt / Freie Universität Berlin

Der geographisch ausgerichtete Teil des Surveys konzentrierte sich auf die Feldkartierung von Erosionslandformen, die hauptsächlich in Form von Gullies vorkommen (Fig. 3). Gullies sind lineare Erosionsformen, die durch konzentrierten Oberflächenabfluss entstehen und in der Regel durch menschliche Aktivität ausgelöst werden. Insbesondere die Verbindung von Gullies und Wegen waren von Interesse, da Wege die Entstehung von Gullies auslösen können. Deshalb kann die Kartierung von Gullies ermöglichen, antike Wegesysteme zu finden und zu rekonstruieren. Ein weiterer Fokus lag auf der Kartierung von Hohlwegen – Pfade, die über lange Zeiträume teilweise bis heute genutzt werden und somit in das Sediment bzw. Festgestein hineinerodiert sind. Die Forschungen an diesen Wegformen werden durch Anwendung unterschiedlicher naturwissenschaftlicher Analysemethoden zu Datierungsfragen unterstützt und sind noch in Bearbeitung.


Abbildungen

  • Fig. 1 Überblick über das Plateau mit der Sondage an Fundstelle S40, im Bildhintergrund das südliche Rama Tal (Foto: © C. Breninek, Universität Leipzig).
  • Fig. 2 Kopffragment einer Tierfigurine, Fundstelle S42, Fundnummer: RS19-15 (Foto: © I. Wagner, DAI Orient-Abteilung).
  • Fig. 3 Beispiele von Landschaftsformen, die während des geografischen Surveys kartiert wurden. A: stark erodierte Landschaft (Badlands), B: Übergang eines Hohlwegs zu einem Gully, C: Gully-Ansatz, der einen Pfad kreuzt, D: Hohlweg, der in das anstehende Festgestein eingeschnitten ist (Fotos: © J. Hardt, Freie Universität Berlin).
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